WER WIRD MISS WANGEROOGE?

Letzter Mittwoch im Juli 2016. Mit dem Flieger kommt die MOIN auf die Insel. Und am Abend wird wieder die Miss Wangerooge gekürt. Wer wird es diesmal sein, die auf dem Laufsteg vor dem »Pudding« von den vielen Besuchern gefeiert wird?

ie Jury wird entscheiden, wer in diesem Sommer die Krone erhalten wird. In der Jury sitzt die amtierende Miss Germany Lena Bröder, die noch kürzlich – als erste Miss Germany überhaupt – eine Audienz beim Papst in Rom bekam. »Es war überwältigend«, betonte die katholische Releigionslehrerin. Papstbesuch, Fernsehshows, Talkrunden. Jetzt Wangerooge. Horst Klemmer macht es möglich. Der Oldenburger, der in der Tangastraße seit Jahrzehnten sein Büro hat und auf Wangerooge direkt am Meer in seiner Ferienwohnung die Kontakte zu prominenten Leuten aus dem Showgeschäft spielen lässt, kennt sich aus auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Die MOIN traf den Tausendsassa, der im Dezember seinen 80. Geburtstag feiern wird, auf der Wangerooger Strandpromenade und fragte ihn: Was ist eigentlich Schönheit? »Sicherlich gibt es auf der Welt keinen Menschen, der von sich aus behaupten kann, er findet zu 100 Prozent die schönste Frau der Welt. Schönheit ist Ansichtssache – der eine mag blonde, der andere schwarze Haare, der eine blaue, der nächste braune Augen, der eine 1,75 m und der andere 1,60 m große Frauen. So kann jeder von sich selbst aus beurteilen, was er schön findet.«

Hübsche Menschen haben im Alltag – so sagen Experten – wesentliche Vorteile. Studien belegen, dass schöne Menschen im Leben tatsächlich davon profitieren. Wichtig ist, dass man sich in seinem Körper wohl fühlt, positiv denkt und zufrieden ist. So werden die sicherlich vorhandenen Stresshormone abgebaut. Schöne Menschen profitieren von positiven Vorurteilen. Sie werden für kompetenter, erfolgreicher, intelligenter, sympathischer, selbstsicherer, geselliger, fleißi ger und leidenschaftlicher gehalten. Die Psychologin Rita Friedmann von der amerikanischen Attraktivitätsforschung kommt zu dem Schluss, dass sich der »Zauber der Schönheit« durch das ganze Leben zieht: vom Kindergarten über die Schule bis hin zum Berufsleben.

Interessant ist ein durchgeführter Vergleich der VIP-Gesichter für die Werbung. So gelang es zum Beispiel der blonden Miss Germany Isabell Gülck, die vor vier Jahren auf Wangerooge nicht nur den Männern am Meer den Kopf verdrehte, bei einer Großumfrage auf einem sensationellen vierten Platz zu landen, knapp hinter Jette Joop, Nazan Eckes und Heidi Klum. Die sympathische Isabell platzierte sich somit vor Michelle Hunziker, Birgit Schrowange, Nicole Kidman und Carla Bruni. Klemmer dazu: »Die Siegerinnen von GNTM waren hier nicht im Ranking. Das bedeutet, dass die Marke »Miss Germany« anerkannt und von der Wirtschaft hoch eingestuft wird. Vor allem bei Mode und Kosmetik.« Nicht verwunderlich, dass attraktive Personen von ihrer Schönheit profitieren. Ein wichtiger Punkt auf der Bühne ist u.a. die Körpersprache.

Choreograph Jens Dolecki sagt immer: »Spannung in den Körper, dann kommt man über die Rampe«. Horst Klemmer zum Wahlvorgang bei einer Miss-Wahl: »Wir schreiben unserer Jury nicht vor, wie zu wählen ist, sondern überlassen diese Entscheidung jedem Jurymitglied selbst. Die Damen haben die Gelegenheit, mit Witz, Charme und Schlagfertigkeit zu punkten und sich dem Publikum stilvoll in Mode zu präsentieren.«

PERSÖNLICHKEIT

Wichtig ist, dass die Persönlichkeit herausgestellt wird und ein sicheres Auftreten zu erkennen ist. Sicherlich gilt die These: »Lange Beine machen noch keine Miss aus«. Eine Miss Germany hat aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads (98,7% der Deutschen kennen die Marke »Miss Germany«) eine Vorbildfunktion. Klemmer betont, dass es sich lohnt, Miss Germany oder Mister Germany zu werden und bei der in Oldenburg sitzenden Miss Germany Corporation mitzumachen. »Wir werden auch weiterhin gerne »Steigbügelhalter« für den Einstieg ins Showbusiness für junge Menschen sein. Unsere Damen streben meistens eine Karriere als Moderatorin, Schauspielerin oder Werbeträgerin an. Anne Julia Hagen, die als Miss Germany 2010 nach Wangerooge kam, war ein sehr gefragtes Model. Sie wurde u.a. für Zalando, Pril, Elite Partners oder Kanada Airline gebucht. Anne-Kathrin Kosch, Miss Germany 2011 und auf Wangerooge von vielen Fans umlagert, wurde Moderatorin bei pearl.tv. Miss Germany 2012 Isabel Gülck strebte eine Karriere als Sängerin und Moderatorin an. Klemmer: »Wir unterstützen alle beim Auf- und Ausbau ihrer Karriere.« Ja, jeder Mensch braucht Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Man möchte sich aus der Masse hervorheben und etwas Besonderes sein. Dies ist sicherlich eine Devise, nach der viele junge Menschen – besonders die Damen – streben.

Miss-wangerooge

TEXT: MAO / FOTOS: KURT KEIL UND KLAUS SCHULTES

Weiterlesen

WIEDENESTER IM WANGEROOGE-FIEBER

Sie sind seit Jahren mit dem unheilbaren »Wangerooge-Fieber« infiziert. Zum 15. Mal fand in diesem Sommer die Wiedenester Inselfreizeit statt. Rund 100 Kinder, Jugendliche und Teamer aus dem Oberbergischen Kreis genossen das für sie schönste Fleckchen Sand im Nationalpark Wattenmeer.

rfreulich: Die Evangelische Kirchengemeinde Wiedenest bietet die alljährliche »Sommerfrische« für Teilnehmer von 8 bis 18 Jahren seit 2001 im Bielefelder Haus an. Lässt man all die Jahre mal Revue passieren, dann bedeutet das in Zahlen: 1500 Ferien gäste aus dem Oberbergischen, über 3000 Koffer, Rucksäcke und Kuscheltiere, 1500 Mal Bettenbeziehen, 22.500 Verpflegungstage für das Bielefelder Haus, gut 60.000 € Taschengeld, was auf der Insel ausgegeben wird usw. Aber auch rund 450 Spiel- und Aktionsprogramme für Nachmittage und Abende, mal nur für die kleineren, mal extra für die größeren und auch mal für die gesamte Gruppe geplant und durchgeführt. 15 Jahre Inselfreizeit bedeuten bei dieser Gruppe auch, dass sie mehr als 200 Vormittage in der Nikolai Kirche der Ev. Kirchengemeinde Wangerooge verbracht haben. Dort wird gemeinsam gesungen und nachgedacht, die Bibel in Geschichten und Gedanken hinterfragt und ein buntes Programm zum Erleben und Weiterdenken nicht nur für Freizeitteilnehmer angeboten. Die Kirche steht offen, und immer mal wieder kommen auch Urlauber hinzu, um diese Gemeinschaft mitzuerleben oder einfach nur zu genießen. Der sonntägliche Gottesdienst in der Mitte der Freizeit wird gemeinsam mit Inselpfarrer Günther Raschen als großer Urlauber-Insulaner-Freizeit-Familiengottesdienst gefeiert. Wangerooge ist der ideale Ort für Spiel und Spaß quer über die ganze Insel, für Sport am Strand, für Toben in den Wellen, für Erholung im Wind, für Zeit miteinander und füreinander. Und dass diese »legale Droge« süchtig macht, damit wollen und können die Wiedenester gut leben und freuen sich schon auf das, was die nächsten 15 Jahre bringen werden … INKE ARMBRÖSTER

Wiedenester

Weiterlesen

MARIA UND DIE VILLA KUNTERBUNT

Sie gehört zu den Insel-Frauen, die aus dem richtigen Holz geschnitzt und in verschiedenen »Rollen« erfolgreich sind. Maria Jonas hat schon in »ihrer« wunderschönen Villa Kunterbunt einiges bewegt und singt mit Begeisterung im Wangerooger Gospelchor »Vocal Waves«.

ur schade«, gibt Maria Jonas offen zu, »dass ich keine Zeit mehr habe, mit meinen Freundinnen der Wangoo Diptams für Wangerooge zu trommeln.« Stimmt! Bis vor zwei Jahren war sie noch immer dabei, wenn am Donnerstag im Proberaum an der Strandpromenade geübt und an anderen Tagen öffentlich getrommelt wurde. Doch aus beruflichen Gründen hat sie die Wangoo Diptams verlassen müssen. Der geliebte Beruf hat Vorrang. Die Neugestaltung des Außengeländes der Villa Kunterbunt forderte die vielseitige Einrichtungsleiterin heraus. »Wir sind ständig dabei, Schritt für Schritt zu erneuern«, erklärte Maria Jonas.

Kürzlich wurde das schmucke Außengelände auf Wangerooge (gegenüber von Sport- und Golfplatz) mit einer großen Grillfete eingeweiht. Rund eine halbe Million Euro hat der Landesverband Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes investiert. Zur Einweihung reiste Landesgeschäftsführer Bernd Schmitz an. Statt mit dem Flieger kamen auch DRK-Präsident Dieter Holzapfel und Vizepräsidentin Meike Müller mit der Fähre auf die Insel. Der Nebel … Seit 2009 betreibt der DRK-Landesverband das Mutter-/Vater-Kind-Kurheim auf Wangerooge. Zunächst als Pächter der Kurverwaltung Wangerooge, im Sommer 2014 kaufte das DRK das Gebäude.

»Das war definitiv die richtige Entscheidung«, sagte Holzapfel. Seitdem sei der DRK-Landesverband stets bemüht, die Einrichtung zu modernisieren. So wurden im vergangenen Jahr der
Speisesaal erneuert und die Außenfassade saniert. Nun hat Landschaftsarchitekt Hajo Flemmig die Außenanlage neu gestaltet: Verändert wurde der äußere Eingangsbereich, in dem jetzt Bänke stehen, und der Spielbereich. »Wir haben einen abgetrennten Bereich für Kleinkinder eingerichtet«, berichtete Flemmig. Auch die Betonpiste, die zum Gebäude führt, und die Terrasse hinter dem Wintergarten wurden saniert. Maria Jonas ist froh darüber, dass die Einrichtung gut angenommen wird. Bis November ist die Villa Kunterbunt sehr gut ausgelastet. Allein 2015 waren 491 Mütter, 60 Väter und 947 Kinder dort zur Kur. »Wir werden die Zahlen sicher aufrunden – also auf 1000 Kinder«, scherzte der DRK-Präsident Holzapfel.

Villa-Kunterbunt

 

FOTOS: ANTJE POLLEX

Weiterlesen

DER ORGELBAUER VON WANGEROOGE

Wolfgang Henseleit hat sich als »Herr der Orgelpfeifen« längst einen guten Namen auf seiner Insel gemacht. Doch Gustav Wissmann ist nicht so bekannt auf Wangerooge, obwohl es ohne den ehemaligen Inselschüler wahrscheinlich keine Orgel in dieser Form in der evangelischen NikolaiKirche geben würde. Die MOIN traf den bekannten Kirchenmusiker in den Wangerooger Dünen.

Wissmann-Orgel“Meine Zeit auf Wangerooge hat mich für mein ganzes Leben geprägt”, betont der in Celle beheimatete Gustav Wissmann, wenn er zurück schaut. Er denkt dabei vor allem an seinen beruflichen Werdegang als Musiklehrer und Kirchenmusiker. »Ich war Anfang der 60er Jahre als Schüler auf der Insel, um dort, das war damals noch möglich, mein Abitur zu machen«, erzählt der freundliche, ältere Herr. Weil der Chorleiter und Organist seinerzeit in Pension gegangen war, bat man mich, doch seine Nachfolge anzutreten. Ich hatte damals allerdings keine Orgel-Erfahrung und spielte lediglich Klavier.«

Wer schon mal ein Orgelkonzert besucht und gesehen hat, welche sportliche Leistung allein die Fußarbeit eines Organisten bedeutet, der kann ermessen, vor welcher Herausforderung der junge Gustav Wissmann damals stand. Wie der (glückliche) Zufall es wollte, wurde 1963 in der Kirche eine neue Orgel aufgebaut, und der Gymnasiast wurde eine Woche von der Schulleitung freigestellt, um mit den Experten das riesige Instrument aufzubauen. »Ich habe damals jede Pfeife in der Hand gehabt und kenne die Orgel besser als meine Wohnung«, meint Wissmann schmunzelnd und versichert: »Durch meine damalige Arbeit habe ich auch eine besonders emotionale Beziehung zu dieser Orgel. Und die hat mich auch bewogen, mich nach absolviertem Abitur bei der Ausbildung zum Musiklehrer speziell auf die Orgel zu konzentrieren und zu studieren.« Wissmanns Nachfolger war ausgerechnet sein ehemaliger Lehrer Wolfgang Henseleit, der vielseitig begabte Pädagoge, Chorleiter, Organist und brillante HobbyDichter, der diese Ämter zum Teil auch noch in der Gegenwart ausübt.

Germanistik war das zweite Studienfach in Hannover, wobei Wissmann danach in den ersten Jahren als Lehrer an einer Sonderschule gearbeitet hat und dort sämtliche Fächer unterrichten musste. »Sehr lehrreich, und eine Erfahrung, die auch heute noch vielen Lehrern gut täte«, so Wissmann, der im Laufe seiner beruflichen Laufbahn auch als wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule in Hannover seinerseits Musik-Lehrer ausbildete. 1978 dann die Anstellung als Musiklehrer am Gymnasium in Celle, während der Musik-Pädagoge als Organist auch Gottesdienste musikalisch begleitete, Konzerte gab und, so ist es im Internet zu lesen, auch bisweilen als Tenor wirkt. »Ich bin natürlich kein professioneller Sänger und nur selten Solist«. wiegelt der vielseitig begabte  Musiker ab. Die Beziehung zu Wangerooge ist nie abgerissen, und das hat nicht nur seinen Grund in seiner Orgel in Sankt Nikolai, sondern noch einen weiteren gravierenden: »Ich war 1962 auf der Insel, als die von der verheerenden Sturmflut heimgesucht worden war. Wir haben damals alle mit anpacken müssen, um mit Sandsäcken das Schlimmste zu verhindern. Genützt hat es nicht viel. Wir sind damals völlig abgesoffen. So etwas gemeinsam erlebt zu haben, schweißt fürs Leben zusammen«, ist Wissmanns prägende Erinnerung. Aber auch die Liebe zur Musik belebt die Liebe zur Insel alljährlich aufs Neue. »Bei Ehemaligen-Treffen bin ich regelmäßiger Gast und freue mich dann auch, wenn ich zusammen mit Wolfgang Henseleit musizieren kann und er mich dann auch mal an unsere Orgel lässt«, meint Wissmann lächelnd und lässt sich auch nicht lange bitten, wenn es um ein Konzert in St. Nikolai geht. Kürzlich war die Kirche trotz bestem Badewetter voll, und da waren auch Urlaubsgäste dabei, registriert der begeisterte Musiker  zufrieden. Privat lebt der vierfache Vater und vierfache Großvater nach dem Tod seiner Frau vor neun Jahren zusammen mit einer Tochter und den Enkeln in Celle in einem Drei-Generationenhaus. Eine wunderbare Erfahrung, zumal auch alle musizieren. Drei Mal im Jahr zieht es ihn nach Wangerooge, wo vor mehr als einem halben Jahrhundert die Weichen für sein berufliches Leben entscheidend gestellt wurden.

Henseleit-Orgel

 
TEXT: FRIEDEMANN BRÄUER FOTOS: EVELYN GENUIT, KURT KEIL UND ANNEMARIE HILLING

Weiterlesen

WINDPARK VOR WANGEROOGE

Ja, es stimmt: Kurz vor dem Sommer 2016 hat 15 Kilometer nordöstlich von Wangerooge der Bau des Windparks Nordergründe begonnen: Dort wurde der erste Monopile in den Meeresboden gerammt. In Betrieb gehen soll der Windpark mit 18 Anlagen von gut 160 Metern Gesamthöhe noch in diesem Jahr.

on Wangerooge aus sind die Gründungs- und Bauarbeiten gut zu sehen. Und viel Schiffsverkehr herrscht zwischen dem Baufeld Nordergründe und Hooksiel. Der Windpark hat eine Nennleistung von 111 Megawatt. Erinnern Sie sich? Vor knapp zehn Jahren hatte die Gemeinde Wangerooge gegen den Bau des Offshore-Windparks geklagt, weil sie befürchtete, die von der Insel aus sichtbaren 18 Windräder würden den Ferienverkehr beeinträchtigen. Die Klage war allerdings abgelehnt worden. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Umweltstiftung WWF hatten wegen Gefahren für wildlebende Vogelarten durch den Windpark Rechtsmittel gegen den Windpark eingelegt. 2011 war ein Vergleich zwischen den Naturschutzverbänden und dem Unternehmen Energiekontor in Bremen als Projektträgerin unterzeichnet worden. Der Baubeginn des Windparks war für 2012 angekündigt worden, hatte sich dann jedoch um vier Jahre verzögert. Auch Hooksiel – wie die NWZ berichtete – ist in den Bau des Windparks eingebunden: Der Außenhafen soll Basishafen für den Betrieb von Nordergründe werden. Operationsbasis wird die ehemalige Spielscheune Bullermeck, die im vergangenen Jahr von der Kähler-Werft übernommen worden war. Im Hafen Hooksiel kommt auch das Seekabel an Land, mit dem der in Nordergründe produzierte Strom abtransportiert wird. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet begann mit der Verlegung des 28 Kilometer langen Seekabels: Das Seekabel wurde in das unter dem Deich hindurchführende Leerrohr eingezogen. Das vier Kilometer lange Landkabel war bereits 2012 verlegt worden. Es führt zum Umspannwerk nahe Inhausen, das dafür 2013 entsprechend erweitert worden war. Übrigens: In Niedersachsen wird mehr Strom aus Windkraft erzeugt als in jedem anderen Bundesland. Voraussetzung dafür, dass die Windenergie zu Kunden transportiert werden kann, ist der Ausbau von leistungsstarken Leitungen an Land.

 

Windpark-Wangerooge
Foto: Evelyn Genuit

Weiterlesen

KÖNIGLICH

Wussten, Sie dass in jedem Jahr nicht nur Schönheitsköniginnen, sondern auch Bienenköniginnen aus ganz Deutschland, Belgien und den Niederlanden regelmäßig auf die Insel kommen? Warum? Weil es auf Wangerooge perfekte Zuchtbedingungen gibt (siehe MOINBuch »Wangerooge und der Rest der Welt«).

a, seit fast 90 Jahren werden auf Wangerooge Bienen gezüchtet: Pro Jahr werden aus ganz Deutschland rund 2000 Königinnen auf die Insel geschickt, um dort befruchtet zu werden. Die Imker, die die Belegstelle von Frühjahr bis Spätsommer betreuen, haben nun eine neue Unterkunft erhalten: Die erste Hütte stammte aus den 1930er Jahren und wurde nun durch eine bequemere, neue ersetzt. Mit Unterstützung des Landkreises, der Barthel-Stiftung und der Volksbank
Stiftung wurde dies ermöglicht. Der Neubau (Kosten 34 000 Euro) wurde den Sponsoren und Mitgliedern des Kreis-Umweltausschusses vorgestellt. In der Hütte mit Küchenzeile und Schlafkoje leben die Imker in der Zeit, in der sie die Bienen jedes Jahr neu zur Belegstelle auf die Insel bringen. Geöffnet hat die Belegstelle von Frühjahr bis Spätsommer. Wenn die Bienen aktiv sind. Imker Friedrich-Karl Tiesler informierte alle Gäste über die Bienenzucht. »Eigentlich bin ich Bauingenieur, aber schon seit meiner Jugend interessiere ich mich für die Bienen«, so Tiesler. Die Züchtung der Honigbiene sei genauso wichtig wie die anderer Tiere auch. »Nach Rindern und Schweinen ist die Biene aus Sicht der wirtschaftlichen Bedeutung am drittwichtigsten«, betonte er. Gerade auf der Insel sei die Zucht von hoher Bedeutung: Wenn sich Bienenkönigin und Drohne paaren, dann meist fünf bis sechs Kilometer hoch in der Luft, fernab des Imkers. Dafür bräuchte man am Festland eine enorm große Fläche, ein Gebiet von etwa 300 Quadratkilometern, erklärte Tiesler. Das ist auf der Insel leichter, weil sie von Wasser umgeben ist. Hier können die Bienen nicht davonfliegen und sind für die Züchter leichter wiederzufinden. Bei der Zucht wird besonders auf hohe Widerstandsfähigkeit, aber auch auf Friedfertigkeit und natürlich den Honigertrag geachtet. Die Widerstandsfähigkeit sei besonders wichtig, damit sich die neuen Bienenvölker gegen Parasiten wie die Varroamilbe wehren können. Diese schwächt die Völker und führte in den vergangenen Jahren zu massenhaftem Bienensterben, wie die MOIN und die NWZ berichteten.

Weiterlesen

STRANDLÄUFER

Uwe Osterloh war sichtlich zufrieden. Der erste Vorsitzende der Wangerooger Sport-Gemeinschaft konnte nach den beiden Lauf-Events auf der Insel, dem Westturmlauf und dem EWG-Lauf, eine positive Bilanz ziehen und sich bei den zahlreichen Mitarbeitern bedanken. 136 Teilnehmer beim Westturmlauf sorgten für ein buntes Feld. Während in den Schülerklassen die Jungs und Mädchen von der Insel dominierten und die Schwestern Fenja und Fine Einhoff ihre Siegesserie fortsetzten, gewann bei den Frauen Christa Berlin in der Hauptklasse über 10 km vor Heike Voigt und Sabine Stüve. Hanna Wünsche vom Veranstalter WSG landete auf einem beachtlichen vierten Platz. Sven Mähr war – mit rund sieben Minuten Rückstand
zum Sieger Jan Waschkau – der erfolgreichste Wangerooger. Er benötigte für die 10 km knapp 43 Minuten.
Wangerooge war auch wieder eines der Etappenziele beim traditionellen EWE-Lauf. An dem diesmal mehr als 600 Läuferinnen und Läufer teilnahmen. Unter ihnen auch der als »Marathon-Pastor« bekannte Stefan Bürger, der besonders von Wangerooge angetan war: »Vor der atemberaubenden Kulisse des Nordseestrandes zu laufen ist etwas ganz Besonderes.« Auf Wangerooge hat Stefan Bürger vor Hunderten von Läufern eine Kurzansprache gehalten und von seinem Laufgottesdienst mit Frühstück, Läufer-Segnung und gemeinsamen Training erzählt. Auch davon, wie sich Kirche heute bewegen kann. Der begeisterte Pfarrer lief vor elf Jahren auch den Berlin-Marathon. Jedes Inselrennen wird mit einer kurzen Form der Andacht vor der Siegerehrung umrahmt. Die 42 Kilometer schaffte Marathonpfarrer Stefan Bürger in 3:39:28 Stunden. Allerdings nicht am Stück, sondern in vier Tagen. Dabei hat er im Kurzurlaub vier der sieben Nordseeläufen auf den ostfriesischen Inseln Juist, Wangerooge, Spiekeroog und Borkum absolviert. Übrigens: Mitveranstalter des Laufevents unter dem Motto »Mach nicht halt – lauf gegen Gewalt« ist die evangelische Kirche in Hannover.

Strandläufer

Weiterlesen

MEIN HERZ IST EINE INSEL

Ein kleiner Fleck im großen Meer
Ein kleiner Punkt, so weit entfernt
Niemand der mich sucht
und niemand der mich hört
Niemand der mich kennt
und niemand der mich stört

Mein Herz ist eine Insel
auf einem blauen Meer
Mein Herz ist eine Insel
so weit von dir entfernt
Und dein Schiff fährt am Horizont entlang
Ein kleiner Fleck im großen Meer
Mein Herz ist eine Insel
Ich schau dir hinterher

Um mich herum weißes Rauschen
ich bin geblendet vom weißen Strand
Ich liege nackt unter Palmen
leg meine Hände in den heißen Sand
Und keiner kann mir sagen wo,
wo meine Gedanken sind,
vielleicht ja irgendwo da draußen wo,
wo die Sonne im Meer versinkt
wo die Sonne im Meer versinkt

Mein Herz ist eine Insel auf einem blauen Meer
Mein Herz ist eine Insel so weit von dir entfernt
Und dein Schiff fährt am Horizont entlang
Ein kleiner Fleck im großen Meer
Mein Herz ist eine Insel
Ich schau dir hinterher
Lalalalala

TEXT: »MEIN HERZ IST EINE INSEL« VON JULI FOTOS: ANTJE POLLEX

Weiterlesen

BRÜCKE DER ERINNERUNG

Auch zahlreiche Wangerooger waren dabei, als im Osthafen von Harlesiel eine »Brücke der Erinnerung« eröffnet wurde. »Heute ist für mich ein großer Tag. Eine Herzensangelegenheit ist in Erfüllung gegangen«, sagte Reeder Dieter Albrecht bei der Eröffnung der Gedenkstätte. Es ist eine Gedenkstätte für Seebestattungen, ein Ort des Erinnerns und der Trauer für die Angehörigen. 1968 begann die Reederei Albrecht aus Harlesiel mit ihren ersten Seebestattungsfahrten. Es waren 25 pro Jahr. Seit 1996, da gab es bereits 125 Fahrten pro Jahr, ist es das Hauptgeschäft von Dieter Albrecht, der außerdem noch den Raddampfer »Concordia« zwischen Carolinensiel und Harlesiel fahren lässt. Inzwischen fährt die Reederei täglich mit Trauergästen auf die Nordsee hinaus. Im Herbst wird ein zweites Schiff, das zurzeit bereits umgebaut wird, dazukommen. Daneben bietet Albrecht regelmäßig Trauerfahrten zu den Beisetzungsplätzen auf dem Meer an. Waren es anfangs nur wenige Seebestattungen von Seeleuten, entscheiden sich heute zunehmend mehr Menschen für eine Bestattung im Meer als Alternative zur Erdbestattung. Die Reederei Albrecht arbeitet mit Bestattern aus allen Teilen Deutschlands und dem angrenzenden Ausland zusammen. Sie bietet Seebestattungen in der ganzen Welt an.

Über dem Eingang zur »Brücke der Erinnerung« steht der Spruch »Hast Du Sehnsucht und denkst an mich, setzt Dich ans Wasser, es tröstet Dich«. Dahinter beginnt ein 28 Meter langer Steg über die Salzwiesen von Harlesiel. Auf ihr sind acht Stelen mit Teakholzfüllung angebracht. Auf ihnen können Tafeln mit Namen, Geburts- und Sterbedatum sowie der Beisetzungsposition angebracht werden. 80 Tafeln gibt es bereits. Am Ende der Brücke, das dem Heck eines Schiffs nachempfunden wurde, steht eine Laterne, die als Licht in der Nacht leuchten soll. Außerdem gibt es Vorrichtungen zum Ablegen von Blumen. Schaut der Betrachter auf das Meer, sieht er die Inseln Wangerooge und Spiekeroog. Zwischen ihnen liegt der Ort der Seebestattungen, an dem die Urnen mit der Asche der Angehörigen auf den Meeresboden gleiten. Die Menschen suchten die Nähe zu Orten, die sie mit einem verlorenen Angehörigen verbinden. »Hier eröffnen wir einen solchen Ort«, sagte Pastorin Arnhild Bösemann in ihrer Ansprache. »Angehörige entscheiden sich häufig für eine Seebestattung, weil sie es als weniger endgültig empfinden, die Urne eines geliebten Menschen in die sanften Wogen des Meeres gleiten zu sehen«, sagte der Wittmunder Bürgermeister und Hafenzweckverbandsvorsitzende Rolf Claußen. Doch einige Hinterbliebene vermissten einen Ort für Trauer und Erinnerung.

»Wo kann dieser Ort sein, der uns hilft, unseren Schmerz zuzulassen«, sagte Claußen. Den könne es trotz Seebestattung geben. »An einem solchen Ort befinden wir uns heute hier«, so Claußen. Zwei Jahre Planungs- und acht Monate Bauzeit waren nötig, um die bisher einmalige Anlage zu erstellen. Kleinere Gedenkstätten für Seebestattungen gibt es in Norddeich und Wilhelmshaven. »Die Gedenkstätte liegt hier fast ungeschützt an der See, schwere Stürme mit Orkanböen sowie Sturmfluten sind hier möglich«, sagte Albrecht. Das habe man berücksichtigt. Um Standsicherheit zu gewährleisten, habe man 150 Tonnen Material wie Beton, Stahl und Holz verarbeitet. Die Baukosten hätten bei 150.000 Euro gelegen. Die Gedenkstätte, die von der Reederei Albrecht gebaut wurde und von ihr gepflegt wird, hatte viele Unterstützer. Albrecht bedankte sich bei Rolf Claußen als Vorsitzenden des Hafenzweckverbands Harlesiel, auf dessen Grund und Boden die Anlage entstand. Der Geschäftsführer des Hafenzweckverbands Johann Schild sei eine große Hilfe gewesen. »Ohne ihn wäre es ein schwerer Weg geworden«, sagte Albrecht. »Ich habe nicht geglaubt, dass es noch eine so kooperative Behörde gibt«, sagte der Reeder über die friesische Kreisverwaltung. Sie war zuständig, weil die Brücke der Erinnerung auf Wangerländer Gebiet liegt.

Erinnerung

Weiterlesen

RUND UM DEN ALTEN LEUCHTTURM

Er war der letzte Leuchtfeuerwärter von Wangerooge. Die MOIN traf den 80-jährigen Wolfgang Scheffer nicht auf der Insel, sondern am Großglockner.

Vom Meer in die Berge. Der ehemaligen Leiterin der Wangerooger Grundschule und seit vier Jahren Fotografin der MOIN war der kleine Wagen mit dem FRI auf dem Kennzeichen aufgefallen. Am Großglockner kamen sich die beiden Wangerooger näher. Ein Gespräch in der Fremde. Nicht am Wattenmeer, wo die Fotografin wohnt, und nicht in der Charlottenstraße, wo der gelernte Elektriker lebt, nein, am großen Großglockner trafen sich die beiden Naturliebhaber. Zufällig. Aber mit Folgen. Klar, dass Wolfgang Scheffer in den Wochen danach auf der Insel seine Geschichte bei Kaffee und Kuchen zum Besten gab.

Der gebürtige Hagener, der im kleinen, beschaulichen Westfalen-Städtchen Gevelsberg als Sohn eines Schneiders aufwuchs, lernte 1959 das Meer beim Urlaub auf Wangerooge kennen und lieben. Schon ein Jahr später zog Scheffer nach Wangerooge und bewarb sich 1964 als Leuchtfeuerwärter: »Als gelernter Elektriker reizte mich die Technik im Alten Leuchtturm.« Fünf Jahre lang, bis zur Abschaltung des Leitfeuers am 7. November 1969 – morgens um 7 Uhr 37 – wartete er gemeinsam mit seinen Kollegen Anton Janßen, Walter Heiburg und Hans Kästner die Anlage. Sie war 1927 als Doppelfeuer mit einer Leistung von 474.000 Hefnerkerzen (Red.: Die Einheit Hefnerkerze gibt die Lichtstärke an, die von einer Lichtquelle in eine bestimmte Richtung emittiert wird) installiert worden. Dieses Leuchtfeuer hatte eine Reichweite von 56 Kilometern. »Es war eine wunderschöne Zeit«, erinnert sich Scheffer, der großen Wert darauf legt, dass er Leuchtfeuer- und nicht Leuchtturmwärter war: »Wir hatten viel zu tun. Wartungsarbeiten, Reparaturen – bei einem Ausfall mussten wir schnell reagieren.«

Längst hat der neue Leuchtturm im Westen die Funktionen übernommen. Scheffer selbst aber blieb dem Alten Leuchtturm treu, bietet seit 1970 Führungen an und erzählte in der »Teestube« bei seinen Vorträgen vom Leuchtfeuer. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihn immer noch die alten Leuchtbogenlampen faszinieren. Eine davon hat er aus dem Alten Leuchtturm »gerettet« und erläutert gerne ihr Prinzip. Das einzige Überbleibsel im Alten Leuchtturm ist das alte Sofa im »Hochzeitszimmer«. Wolfgang Scheffer schaut verschmitzt: »Gut, dass die Besucher heute nicht wissen, was früher auf dem grünen Sofa so alles passiert ist …« Scheffer bedauert, dass vor 47 Jahren das Leitfeuer des alten Wangerooger Leuchtturms nach 113 Jahren, einem Monat und fünf Tagen Betriebszeit endgültig abgeschaltet worden war. Er arbeitete zunächst im neuen Leuchtturm. Doch die Technik dort hatte keinen Reiz mehr für ihn: »Alles Austauschtechnik – das ist für einen Elektriker nicht so interessant.«

 

Alter-Leuchtturm

Weiterlesen