Monthly Archives Dezember 2014

Ein Buch ist immer das richtige Geschenk

Für alle Wangeroogefreunde – und solche, die es dann werden – Wangerooge Bücher aus unserem Verlag zu Weihnachten:

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Wolken – Spiegel der Seele

»Ich schau den weißen Wolken nach und fange an zu träumen … « Viele haben diese fröhliche Melodie im Ohr, wenn sie am Strand von Wangerooge fasziniert dem nimmermüden Spiel der Wolken zuschauen. Auf dem Rücken liegen, in die Sonne blinzeln, das Meer rauschen hören, die Arme dabei entspannt unter dem Kopf verschränkt – sich ständig verändernde Wolkenbilder lehren die Kunst des Loslassens. Denn ihre flüchtige Schönheit erschließt sich nur im Augenblick und lässt Menschen staunend erkennen: Nur der Wechsel ist von Dauer. Und wer  diese Erkenntnis so meerumschlungen-heiter
erfahren darf, kann sie vielleicht auch hinüberretten, mitten hinein in die hektische Geschäftigkeit des Festlandalltags. Denn so beredt auch Wolkenkundige spannend von Zirrus und Nimbus, von Kumulus oder gar von Kumulonimbus zu erzählen wissen: Das schöne, schlichte Wort Wolke will sich niemand rauben lassen; eben deshalb, weil es so viel Raum birgt für Träume und Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen. Ein nachdenkliches, bilderreiches Gedicht voll sprachlichen Wohlklangs von Hilde Domin verleiht dieser Sehnsucht poetischen Ausdruck:

Auf Wolkenbürgschaft
Ich habe Heimweh nach einem Land
in dem ich niemals war,
wo alle Bäume und Blumen
mich kennen,
in das ich niemals geh,
doch wo sich die Wolken
meiner
genau erinnern,
ein Fremder, der sich
in keinem Zuhause
ausweinen kann.
Ich fahre
nach Inseln ohne Hafen,
ich werfe die Schlüssel ins Meer
gleich bei der Ausfahrt.
Ich komme nirgends an.
Mein Segel ist wie ein Spinnweb im Wind,
aber es reißt nicht.
Und jenseits des Horizonts,
wo die großen Vögel
am Ende ihres Flugs
die Schwingen in der Sonne trocknen,
liegt ein Erdteil
wo sie mich aufnehmen müssen,
ohne Paß,
auf Wolkenbürgschaft.

Das Gedicht von Hilde Domin kann auch der Spaziergänger auf dem Seelenpfad am Café Neudeich lesen.

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An einem stürmischen Tag dagegen, mit grauer, brausender See, zeugen auch die jagenden Wolkenfetzen am Horizont von der
Kraft und Gewalt der Elemente. Faszination und Ausgeliefertsein zugleich, Freude am sich Stemmen gegen den stürmischen Wind, Wolkenungetüme, die am Himmel um die Vorherrschaft ringen. Wenn sich für einen Augenblick die Sonne zeigt, erscheinen sie in ihrer ganzen, mächtigen Pracht – weiß, grau, schwarz zusammengeballt und nicht selten schweflig-gelb im Gewittersturm, der auch die Wind- und Wetterfesten unter den Strandwanderern wieder ins Warme und  Trockene treibt.

Hans-Magnus-Enzensberger hat in seiner Geschichte der Wolken das Flüchtige, Lebendige, Faszinierende und immer wieder aufs Neue den Menschen in ihren Bann Ziehende in bewegende dichterische Worte gefasst. Sturmerprobt und weise zugleich erklingen sie, die Verse eines Wolkenliebhabers:

DIE GESCHICHTE DER WOLKEN
So wie sie auftauchen, über Nacht
oder aus heiterem Himmel,
kann man kaum behaupten,
dass sie geboren werden.
So wie sie unmerklich vergehen,
haben sie keine Ahnung vom Sterben.
Ihrer Vergänglichkeit kann sowieso
keiner das Wasser reichen.
Majestätisch einsam und weiß
steigen sie auf vor seidigem Blau,
oder drängeln sich aneinander
wie frierende Tiere, kollektiv
und dumpf, ballen sich tintig
zu elektrischen Katastrophen,
dröhnen, leuchten, ungerührt,
hageln und schütten sich aus.
Dann wieder prahlen sie
mit eitlen Künsten, verfärben sich,
äffen alles, was fest ist, nach.
Ein Spiel ist ihre Geschichte,
unblutig, älter als unsre.
Historiker, Henker und Ärzte
brauchen sie nicht, kommen aus
ohne Häuptlinge, ohne Schlachten.
Ihre hohen Wanderungen
sind ruhig und unaufhaltsam.
Es kümmert sie nichts.
Wahrscheinlich glauben sie
an die Auferstehung, gedankenlos
glücklich wie ich, der ihnen
auf dem Rücken liegend
eine Weile lang zusieht.

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Was aber wären Wolkenbeobachtungen auf Wangerooge ohne Sonnenauf- und -untergänge? Hindern doch ganz alleine die Wolken die Sonne daran, einfach nur kitschig rotgolden auf- oder unterzugehen. So aber präsentieren sie am Horizont im Osten oder Westen ein prächtiges Schauspiel in den unterschiedlichsten Farbkombinationen, das sich von kräftigem Orange über sattes Blau, silbriges Grau und filigran hingetupftes, zartes Rosa spannt. Ein geradezu überirdisch schöner Anblick? Enzensbergers leichtherzige Ironie sollte auch Berufsskeptiker mit so viel Wolkenschönheit aussöhnen:

Gegen Streß, Kummer, Eifersucht, Depression empfiehlt sich die Betrachtung der Wolken. Mit ihren rotgoldenen Abendrändern
übertreffen sie Patinir und Tiepolo.
Die flüchtigsten aller Meisterwerke,
schwerer zu zählen als jede Rentierherde,
enden in keinem Museum.
Wolkenarchäologie – eine Wissenschaft
für die Engel. Ja, ohne die Wolken
stürbe alles, was lebt. Erfinder sind sie:
Kein Feuer ohne sie, kein elektrisches Licht.
Ja, es empfiehlt sich, bei Müdigkeit,
Wut und Verzweiflung, die Augen
gen Himmel zu wenden.
TEXT Irmgard Theobald, FOTOS : Dr. Gerd Theobald

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Elementarspiel beim Strandspaziergang

Als Schulkinder lernten wir noch: Keine Schneeflocke gleicht  haargenau einer anderen. Jede hat ihre eigene, unverwechselbare Form – unendliche Formenvielfalt auf kleinstem Raum. Wenn ich am Spülsaum entlanggehe, erfahre ich dies aufs Neue. Der Spülsaum bei schwachem Westwind wird von kaum handhohen Wellen gebildet. Seitdem es Meere auf der Erde gibt, hat sich nicht eine Welle exakt wiederholt, hat keine Welle einen exakt gleichen schaumigen Spülsaum gezeichnet.
Strandspaziergänge sind für mich Momente solcher Meditationen über die endliche Unendlichkeit des Spiels der Elemente. Muscheln türmen sich hinterm Spülsaum zu Myriaden. Als Festlandkinder haben wir sie gesammelt, die Schalen waren uns Symbole einer wunderbaren Welt, die wir meist nur kurz besuchen durften. Heute bewundere ich die unfassliche Varietät in diesen kleinen Kalkkörpern; denn mit den Muscheln ist es wie mit den Schneeflocken, und keine gleicht der anderen – ich hätte fast geschrieben aufs Haar…

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So ist es ein Wunder (und doch kein Wunder), wenn sich auf solchen Spaziergängen am Spülsaum entlang solche Gedanken einstellen: Bewunderung der Schöpfung, ihrem Erfindungsreichtum im kleinsten Raum. Solches  Erleben entbindet die Seele von ihren kleinen Alltagssorgen und -nöten und lässt sie einmal frei Luft und Atem schöpfen und mit dem Schöpfungsraum und seiner unendlich scheinenden Gestaltungskraft eins werden. Solche Betrachtungen stellen sich vornehmlich bei moderatem Wetter ein, wenn die Elemente Licht, Luft, Wasser und Erde ihr sanftes Spiel miteinander spielen. Dann bilden sich die wunderbaren Formen im Sand, die Fließstrukturen, Rippelmarken, Mündungsdeltas in Kleinstformat und mäandernde Prielabflüsse. Geographische Großformen wiederholen sich hier im kleinen Format und bilden sich alle Tide unverwechselbar neu. Zeit scheint hier keine Bedeutung mehr zu haben – alles wird Raum. Eine andere Ehrfurcht dagegen weckt das Szenario, wenn der West oder Nordwest mit starker Kraft (Windstärke 8 aufwärts) aufs Festland trifft und die Wellen die Inseln, das Hindernis ihres Laufs, bestürmen. Wenn sich das Wasser aufschaukelt und in seiner ungebärdigen Gewalt in wechselnden Richtungen wallt, wenn es beim Zusammentreffen sich kreuzender Ströme herrliche Bilder (Kreuzwellen) erzeugt. Dem menschlichen Auge entgehen diese Bilder meist, wenn nicht der Fotograf sie im genauen Augenblick festhält. Wenn ich auf dem Deckwerk stehe (sofern man noch stehen kann) und dem Aufruhr der Elemente zusehe, so gilt: Die Zeit wird einem auch hier nicht lange, und ewig könnte ich dem Spiel von Sturm und Wellen zuschauen, die ewige Wiederholung des nie ganz Selben. Vielgereiste nach den Inseln der Nordsee wissen: Das Spiel der Elemente hat auf  jeder Insel seine eigenen Regeln und seine eigene Physiognomie. Auch wenn ich es nicht in Worte fassen kann, so ist dieses Empfinden sicher der Grund, weshalb ich immer wieder nach Wangerooge komme. Angesichts der überwältigenden Spielformen der Elemente auf dieser kleinen Insel, fühle ich mich gnädig dispensiert davon zu entscheiden, ob Gott nun wirklich würfelt oder nicht.

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Text und Fotos Dr. Gerd Theobald

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Rettung vor Wangerooge

Seenotretter

Ein Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hat einen schiffbrüchigen Jollensegler aus der Nordsee vor der ostfriesischen Insel Wangerooge gerettet. Die Seenotleitung Bremen der Gesellschaft wurde von einer Frau aus dem sächsischen Grimma alarmiert. Sie hatte auf ihrem Handy einen Notruf eines Bekannten erhalten, der sie von seinem Seenotfall vor Wangerooge informierte. Einzige ungefähre Positionsangabe war die Nähe der Buhne H am Westende Wangerooges.
Nach intensiver Suche entdeckte der Seenotkreuzer der Gesellschaft schließlich den Mann. Der schiffbrüchige Segler hielt sich nur noch an einem Beutel mit persönlichen Dingen fest. Er war dunkel gekleidet und trug keine Rettungsweste. »Bei einem Meter Seegang und schon tief stehender Sonne war er kaum auszumachen. Er hat sehr großes Glück gehabt«, erklärte einer seiner Retter. Der 40 bis 50 Jahre alte Mann sei ansprechbar gewesen, war aber stark unterkühlt.

Rettung vor langer Zeit: “Um 11 ½ Uhr mittags kamen wir auf der Reede an und trugen die Schiffbrüchigen an Land. Beim Betreten des festen Bodens fielen alle auf die Knie, und der Kapitän sprach ein Dankgebet, das von dem Weinen und  Schluchzen der anderen oft unterbrochen wurde.« So berichteten die Seenotretter der Wangerooger Nachbarinsel Spiekeroog über ihre erste organisierte Rettungsaktion am 7. September 1864 – vor 150 Jahren. Ihre Zeilen sind ein beeindruckendes Dokument selbstlosen Einsatzes auf See. Neun Monate später, am 29. Mai 1865, wurde die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) als einheitliche, unabhängige Organisation für alle deutschen Küsten gegründet. Noch im November 1860 hatten die Insulaner auf Borkum untätig vom Strand aus zugesehen, als die Brigg »Alliance« von der Brandung zerschlagen wurde. Die verzweifelt um Hilfe rufenden Seeleute waren ums Leben gekommen. Innerhalb der nächsten kaum vier Jahre vollzog sich ein beinahe unbegreiflicher Wandel. Erste Aufrufe zur Einrichtung von Rettungsstationen erschienen  in den Tageszeitungen. Gemeinschaftsgeist und Hilfsbereitschaft setzten sich gegen jahrhundertealtes Strandrecht durch und
überwanden die verzagende Ohnmacht des Einzelnen. Am 7. September 1864 legten bei der Strandung der »Gagnerie« vor Spiekeroog alle Hand an, um das vom ersten regionalen Verein zur Rettung Schiffbrüchiger angeschaffte Rettungsboot zu Wasser zu bringen: »Da die Pferde noch auf der Weide waren und einige Minuten auf sich warten ließen, wurden die Insulaner aufgefordert, den Transportwagen mit dem neuen Rettungsboot zum Strand zu ziehen. Diese schwierige, und wie es zuerst schien, fast unmögliche Arbeit wurde mit großer Bereitschaft unternommen. «
Eine tapfere Rettungsmannschaft wagte das eigene Leben, um fünf fremde Seeleute zu retten: »Kurz vor 9 Uhr war das Boot  flott, und rasch sprangen außer dem Vormann und dem Bootsmann sechs unserer kräftigsten Männer hinein. Es wehte ein sehr heftiger Wind aus Nordwest, und die See ging hoch, sodass äußerste Vorsicht angewendet werden musste, damit das Boot nicht kenterte. Wir ruderten mit großer Anstrengung dem Schiffe zu.«
Kaum nachzuempfinden sind angesichts der nüchternen Zeilen die Strapazen, die die Seenotretter angesichts Wind, Strömung und Gezeiten durchmachen mussten: »Wir sahen einen dunklen Gegenstand und ruderten mit aller Gewalt dem vermeintlichen Boot entgegen. Bald bemerkten wir, dass es nur ein Floß war. Wir konnten auf demselben fünf Männer,
teils liegend, teils sitzend, unterscheiden.
Sie winkten um Hilfe. Jetzt verdoppelte sich der Eifer unserer Mannschaft. Jede Minute drohte Gefahr und Tod.  Glücklicherweise   erreichten wir sie bald, und sofort warfen wir ihnen die Wurfleine zu, die sie ergriffen. Dann zogen wir das Floß an die Seite des Bootes. Nach getroffener Verabredung fassten wir auf ein gegebenes Zeichen jeder mit raschem,
kräftigem Griff einen der fünf Schiffbrüchigen und warfen sie in unser Boot.«

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Die künstliche Insel

Wussten Sie, dass die Anlegestelle an Buhne C von Minsener Oog nur mit Erlaubnis des Wasser- und  Schifffahrtsamtes angelaufen werden darf? Der gebürtige Wangerooger Theo Kruse erklärt »warum«?

Der amtliche Name der Insel lautet Minsener  Oog und wurde erst vor rund zehn Jahren vom Ständigen Ausschuss für geografische Namen festgelegt. Die anderen genutzten Namen wie Minser Oog oder Oldeoog sind  lediglich Zweitbezeichnungen. Der Name geht zurück auf die Sage vom Minser Seewiefken: Die Fischer eines früheren Dorfs Minsen sollen eine Nixe gefangen haben, die aus Rache den Ort in den Fluten versinken ließ. Das Minser Seewiefken ist auch Wappenfigur der Gemeinde Wangerland.
Minsener Oog gilt als gemeindefreies Gebiet; Grundbesitzer ist die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.Minsener Oog 2
Ursprünglich hatte Wilhelm Krüger geplant, Wangerooge mit Minsener Oog zu verbinden, damit Wangerooges andabtragungen ein Ende fänden. In den 1930er Jahren wurde dieses Vorhaben zeitweise wieder aufgenommen, die neuerlichen Kriegsereignisse verhinderten dann aber weitere Arbeiten in diese Richtung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Siegermächte Wilhelmshaven als Marinebasis unbrauchbar machen und die Jademündung versanden zu lassen.
Dafür wurde ein Hauptdamm auf Minsener Oog gesprengt, weitere Maßnahmen wurden nicht ergriffen. Zur Sicherung des Jadefahrwassers und für den Ausbau auf eine Tiefe von 20 Metern unter Seekartennull entstand in den 1970er Jahren durch Sandaufspülungen eine großfl ächige Düneninsel. Mehr als 10 Millionen Kubikmeter Baggergut aus dem Fahrwasser wurden von 1975 bis 1978 aufgespült.
Die Insel weist nun eine bis zu zwölf Meter hohe Dünenlandschaft auf und ist 4,5 Kilometer lang in Nord-Süd-Richtung und
bis zu 1,5 Kilometer breit. Neben dem 1976 erbauten Turm der Landradarkette Jade steht die Wohnbaracke hochwassersicher
als Pfahlbau. Unweit des Turms liegt an der Buhne C eine Anlegestelle. Die Lorenbahn verband früher die Süd- mit der
Nordseite der Insel. Weite Teile des Schienennetzes sind inzwischen nicht mehr befahrbar.
An der Nordspitze der Insel, Buhne A, steht ein kleiner Flakturm aus dem Zweiten Weltkrieg, der bis 1998 ein Leuchtfeuer
trug. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auch eine ständige Inselbesatzung: Jeweils zwei Buhnenwärter waren dort zum einsamen
Schichtdienst mit Überwachungsaufgaben betraut.
Heute wird die Baracke nur noch gelegentlich von dort eingesetzten Bautrupps und vom Vogelwart bewohnt. Der ist während
des Sommers vom Mellumrat eingesetzt, um das bedeutende Seevogelbrutgebiet zu schützen und die Vogelwelt beobachten.
Geführte Wattwanderungen starten regelmäßig von Schillig aus zum Minsener Oog.

Minsener Oog 1

THEO KRUSE
Theodor Kruse, geboren 1951 auf Wangerooge

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Friesenbrauch

Frischer Fisch. Ein köstliches Jever. Aber auch ein Tässchen oder Kännchen Tee ist nicht zu verachten, wenn man aus dem »Wattkieker« auf den Harler Hafen und die Inseln schaut.

Nun, es gibt ein stattliches Angebot an Rezepten für wärmende Getränke, die zum Beispiel helfen, nach einem langen Strandspaziergang bei eisigem Nord-, West- oder Ostwind wieder auf Betriebstemperatur zu kommen und sich am heimischen Herd so richtig wohl zu fühlen. In diesem Sinne empfiehlt auch Silke Schilling fantasievolle Mischungen mit den Namen »Winterwelt«, »Adventsstern« und verheißt mittels Zimt, Orange, Rooibos mit Apfel, Mandelstückchen, Hibiscus, Ruhrkraut, Färberdistelblüten, Schlehdorn, Fenchel und Kokosraspel sogar »Winterglück«, eine Wintermärchen-Spezialität, die allerdings nur in den Monaten Oktober bis Dezember im Teeparadies auf Wangerooge käuflich zu erwerben ist.

WattkiekerAber man kann sich ja bevorraten, damit das aromatische Getränk auch im Januar, Februar oder März den Tag ein wenig  lebenswerter macht. Wärmende Tee-Kreationen, die auch ohne Alkohol schmecken und deshalb bei Großen und Kleinen jeden Alters so beliebt sind. Wenn es ein paar Prozent mehr sein dürfen, dann kommen Teelikör (Besonders lecker heiß und mit einer attraktiven Sahne-Haube), Vanille-Rum und Punsch-Kandis zum Einsatz.

Wer es ganz ostfriesisch mag, der ist auch mit Asssam, Darjeeling oder »Englisch Breakfast« bestens bedient. Seine Zutaten

sind neben besagten Schwarz-Tee-Sorten Kluntjes, also Kandis-Zucker, und ein Löffel flüssige Sahne, die allerdings nur in die Tasse gleiten und nicht gerührt werden darf. So ist es Ostfriesenbrauch! Aber wer es anders mag, der wird auch nicht vom »Wattkieker « in Harle oder von der Insel Wangerooge  verwiesen, sondern kann seinen Tee ganz nach seinem Geschmack genießen. Hauptsache, es wärmt und regt die Lebensgeister wieder an.

Der »Wattkieker« ist längst ein »Hinkieker«  geworden. Beste Adresse direkt am Anleger in Harle. Mit herrlichem Blick bis nach Wangerooge. Das absolute Highlight am Außenhafen bietet alles was das Herz begehrt. Kein Wunder, dass Henry Aden und seine Partnerin Gudrun Albrecht stolz auf »ihr« Schmuckstück sind: »Seit der Eröffnung im Februar haben wir festgestellt, dass es einen großen Bedarf an fleischloser Kost gibt.« »Sturmfrei« – die Schirmbar ist ein Hingucker. In der »Söten Deern« wird bestes Eis serviert. Und in der »Kapteinsstuuv« haben rund 30 Gäste Platz für private Feierlichkeiten.

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RASTPLATZ WANGEROOGE

Vorhang auf für die 6. Zugvogeltage: Über 250 Veranstaltungen standen im Goldenen Oktober auf dem »Spielplan«.

Im Oktober öffnete sich wieder der Vorhang zu einem der größten undfaszinierendsten Naturschauspiele der Erde – direkt vor unserer Haustür: Wenn die Vögel zurückkehren aus ihren nordischen Brutgebieten, sind sie wenige Wochen bei uns im Wattenmeer zu Gast, um sich für den Weiterflug in ihre südlichen Winterquartiere zu stärken. Sie haben, nach der schon Kräfte zehrenden Brut- und  Aufzuchtzeit ,bereits eindrucksvolle Flugleistungen hinter sich, wenn sie auf Wangerooge eintreffen. Bei Ebbe bevölkern sie in großen Scharen das Watt, für sie ein mit Würmern, Schnecken, Krebsen und anderen   ahrhaften Leckereien reich gedeckter Tisch. Bei Hochwasser ruhen sie auf den Salzwiesen oder Rastplätzen hinter dem  Deich. Zwischendurch beeindrucken sie mit kunstvollen Flugmanövern. Bei den 6. Zugvogeltagen im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer werden die vielfältigen Aspekte dieses Naturwunders, aber auch die Verwundbarkeit dieses Jahrtausende alten Naturkreislaufs, auf ebenso vielfältige Art vermittelt – von der klassischen Exkursion mit Fernglas am

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Deich über Schiffstouren oder Vorträge bis hin zu darstellender Kunst, Musik, Literatur wie auch einer kulinarischen Annäherung an die vielen Länder und Kulturkreise, die die Zugvögel auf ihrer langen Reise zweimal jährlich überqueren.

Nicht auf der Insel, sondern im nahen Oldenburg wurde das Programm der 6. Zugvogeltage mit Zielsetzungen,  Themenschwerpunkten und neuen Angeboten im Landesmuseum Natur und Mensch vorgestellt. »Auf der Weltkarte ist das Wattenmeer nur ein Stecknadelkopf und doch bedeutend für den gesamten Vogelzug zwischen Arktis und Afrika«, machte Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, deutlich. »Mit den Zugvogeltagen wollen wir die Menschen nicht nur  informieren, sondern auch berühren und so für die Schutzbedürftigkeit des Wattenmeeres sensibilisieren.«

Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr: Afrika.

»Dort überwintern viele unserer Zugvögel, und gemeinsam mit den Kollegen an der afrikanischen Westküste tragen wir und viele andere Länder die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Zugvögel auf dem Ostatlantischen Zugweg«.

Die Zugvogeltage sind, so Südbeck, inzwischen »eine eigene kleine Jahreszeit«. Dabei gehe es nicht um »events« mit kurzfristigem Unterhaltungswert, sondern Umweltbildung und Naturtourismus auf hohem Qualitätsniveau.

Wie in den vergangenen Jahren gab es rund 10.000 Besucher, Touristen und Einheimische bei den über 270  Einzelveranstaltungen. Allein der »Vareler Vogelturm«, der als einer von mehreren Beobachtungspunkten extra für die Zugvogeltage installiert und durchweg fachlich betreut wurde, zog 2500 Interessierte an. Vor allem bei Exkursionen wird aber Wert auf kleine Teilnehmerzahlen gelegt, um eine optimale Betreuung und störungsfreie Beobachtungen zu  gewährleisten.

Zum bunten Programm gehörten die Kinderaktionen, diesmal zum Thema »Unsere Wattenmeer-Zugvögel im Winterquartier in Afrika«, aber natürlich auch Neues wie Fahrten mit einem historischen Frachtsegler auf der Unterelbe oder unter dem

Motto »Flügelpoesie und Schnabelprosa« ein literarischer Streifzug durch die Vogelwelt mit der Schauspielerin Brit Bartuschka. Beim von Hobby-Ornithologen erdachten »Aviathlon« wetteifern Inseln und Küstenregionen um die Höchstzahl der gesichteten Arten. Tagesaktuell konnte man während der Zugvogeltage auf Facebook und im Internet verfolgen, welches Gebiet gerade »den Schnabel vorn« hat. Übrigens: Jedes Jahr werden neue »Fanartikel « zu den Zugvogeltagen entwickelt.

Diesmal war z. B. eine Kinder-CD von der »Wattpolizei« mit einer Zugvogel-Geschichte und Musik erhältlich. Mehr vom Meer und den Zugvögeln war und ist immer im Wangerooger Naturparkhaus zu erfahren.

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FOTOS: M. SÄFKEN, S. PFÜTZKE, R. CZECK, A. KRAMER

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WATTENMEER-ACHTER HEISST DAS »NEUE« WERBE-BOOT

Es gibt den Deutschland-Achter als Aushängeschild des nationalen Ruder-Verbandes. Es gibt den Canadier-Achter als großes Boot bei den Kanu-Meisterschaften. Und neuerdings gibt es auch den »Wattenmeer-Achter« als Flaggschiff der Ostfriesischen Inseln und der Stadt Norden.

Aha, die Inselgemeinde Wangerooge soll also schon wieder ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen – und hat sich mit den sechs anderen Ostfriesischen Inseln und der Stadt Norden zusammengeschlossen, um ein »Regionales Entwicklungskonzept« zu erstellen. »Wattenmeer-Achter im Weltnaturerbe « lautet der Titel, mit dem sich die Inseln und Norden als Region um die  Anerkennung als LEADER-Region bewerben wollen.

LEADER ist eigentlich ein Förderprogramm der Europäischen Union, mit dem der ländliche Raum gezielt entwickelt werden soll. »Für die Förderphase 2014 bis 2020 gilt es, gemeinsam neue Entwicklungsmöglichkeiten herauszuarbeiten und  entsprechende Projekte umzusetzen«, betonte der scheidende Wangerooger Bürgermeister Holger Kohls. Das Regionale Entwicklungskonzept ist dazu Fahr- und Strategieplan. Erste Projekte sollen bereits 2015 umgesetzt werden.

Die Erstellung des Konzepts wird durch die Europäische Union gefördert. Wird die Region »Wattenmeer-Achter« ins Leader-Programm aufgenommen, stehen zwei Millionen Euro zur Zukunftsentwicklung bereit. Alle Wangerooger Bürger, Vereine, Verbände sowie soziale und kulturelle Einrichtungen wurden dazu aufgerufen, sich an der Erstellung des Regionalen Entwicklungskonzepts zu beteiligen und ihre Ideen und Vorschläge einzubringen. Dazu wurde eine Internetseite freigeschaltet: Unter www.wattenmeer-achter.de können sich alle Interessierten an der Diskussion beteiligen. Als Handlungsfelder sind vier Bereiche aufgelistet: Unter »Klima-, Umwelt-, Naturschutz, Erneuerbare Energien«, »Tourismus, Landwirtschaft, Regionale Produkte«, »Demografie, Daseinsvorsorge, Kultur« und »Wirtschaft, Bildung,  Fachkräftesicherung« können jeweils konkrete Vorschläge gemacht werden. Leitfragen dabei sind: Wo liegen die Stärken und Schwächen der Insel? Wie könnte Wangerooge im Jahr 2030 aussehen? Was müsste geschehen, um diese Vision zu erreichen? Alle eingegangenen Vorschläge wurden gesammelt und sollen bei einer Zukunftskonferenz in Norden ausgewertet und diskutiert werden. Es gibt viel zu tun. Und das von den Wangeroogern erstellte »Leitbild« sollte auch nicht vergessen werden.

Wattenmeer-Achter

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NICHT DER ALTE WANGEROOGER LEUCHTTURM – DER WUPPERTALER KAISERWAGEN GEWINNT HOCHZEITSAWARD 2014

Was sind schon Paris, Venedig oder die Niagara-Fälle? – Am schönsten heiratet es sich im Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn. Das meint zumindest die Jury des Hochzeitsaward 2014, die das Wuppertaler Wahrzeichen zum »außergewöhnlichsten Ort« für die standesamtliche Trauung gekürt hat. Der Hochzeitsaward wird jährlich vom Bund deutscher Hochzeitsplaner und der ringekaufen.com GmbH in den Kategorien »schönstes Standesamt«, »schönste Kirche« und »außergewöhnlichster Ort« verliehen.
Im Kaiserwagen der Wuppertaler Schwebebahn kann seit 1996 geheiratet werden.Bisher wurden dort bereits über 400 Paare getraut. Rüdiger Funk ist Ausbildungsleiter bei den Schwebebahn-Betreibern, den Wuppertaler Stadtwerken. Außerdem predigt er im Bergischen Land und traute auch Sebastian und Mareike in der kleinen Kirche an der Wupper-Talsperre. Wuppertal
Der Alte Leuchtturm von 1856 ist das älteste Gebäude der Insel. 1969 wurde es außer Betrieb genommen. Heute können Besucher hier einen herrlichen Blick auf die Insel, über das Wattenmeer und auf die Schifffahrtswege genießen. Seit 1980 beherbergt der Leuchtturm zudem ein Heimatmuseum, das auf Initiative einiger Insulaner eingerichtet wurde. Der Alte Leuchtturm ist längst die beste Hochzeitsadresse im Norden. Getraut wird fast jeden Tag. Die fest entschlossenen Paare geben sich seit 1996 auf dem ungewöhnlichen Standesamt das Ja-Wort.

 

 

FOTO: VOLKER POLEDNIK

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