Monthly Archives Juni 2016

BRÜCKE DER ERINNERUNG

Auch zahlreiche Wangerooger waren dabei, als im Osthafen von Harlesiel eine »Brücke der Erinnerung« eröffnet wurde. »Heute ist für mich ein großer Tag. Eine Herzensangelegenheit ist in Erfüllung gegangen«, sagte Reeder Dieter Albrecht bei der Eröffnung der Gedenkstätte. Es ist eine Gedenkstätte für Seebestattungen, ein Ort des Erinnerns und der Trauer für die Angehörigen. 1968 begann die Reederei Albrecht aus Harlesiel mit ihren ersten Seebestattungsfahrten. Es waren 25 pro Jahr. Seit 1996, da gab es bereits 125 Fahrten pro Jahr, ist es das Hauptgeschäft von Dieter Albrecht, der außerdem noch den Raddampfer »Concordia« zwischen Carolinensiel und Harlesiel fahren lässt. Inzwischen fährt die Reederei täglich mit Trauergästen auf die Nordsee hinaus. Im Herbst wird ein zweites Schiff, das zurzeit bereits umgebaut wird, dazukommen. Daneben bietet Albrecht regelmäßig Trauerfahrten zu den Beisetzungsplätzen auf dem Meer an. Waren es anfangs nur wenige Seebestattungen von Seeleuten, entscheiden sich heute zunehmend mehr Menschen für eine Bestattung im Meer als Alternative zur Erdbestattung. Die Reederei Albrecht arbeitet mit Bestattern aus allen Teilen Deutschlands und dem angrenzenden Ausland zusammen. Sie bietet Seebestattungen in der ganzen Welt an.

Über dem Eingang zur »Brücke der Erinnerung« steht der Spruch »Hast Du Sehnsucht und denkst an mich, setzt Dich ans Wasser, es tröstet Dich«. Dahinter beginnt ein 28 Meter langer Steg über die Salzwiesen von Harlesiel. Auf ihr sind acht Stelen mit Teakholzfüllung angebracht. Auf ihnen können Tafeln mit Namen, Geburts- und Sterbedatum sowie der Beisetzungsposition angebracht werden. 80 Tafeln gibt es bereits. Am Ende der Brücke, das dem Heck eines Schiffs nachempfunden wurde, steht eine Laterne, die als Licht in der Nacht leuchten soll. Außerdem gibt es Vorrichtungen zum Ablegen von Blumen. Schaut der Betrachter auf das Meer, sieht er die Inseln Wangerooge und Spiekeroog. Zwischen ihnen liegt der Ort der Seebestattungen, an dem die Urnen mit der Asche der Angehörigen auf den Meeresboden gleiten. Die Menschen suchten die Nähe zu Orten, die sie mit einem verlorenen Angehörigen verbinden. »Hier eröffnen wir einen solchen Ort«, sagte Pastorin Arnhild Bösemann in ihrer Ansprache. »Angehörige entscheiden sich häufig für eine Seebestattung, weil sie es als weniger endgültig empfinden, die Urne eines geliebten Menschen in die sanften Wogen des Meeres gleiten zu sehen«, sagte der Wittmunder Bürgermeister und Hafenzweckverbandsvorsitzende Rolf Claußen. Doch einige Hinterbliebene vermissten einen Ort für Trauer und Erinnerung.

»Wo kann dieser Ort sein, der uns hilft, unseren Schmerz zuzulassen«, sagte Claußen. Den könne es trotz Seebestattung geben. »An einem solchen Ort befinden wir uns heute hier«, so Claußen. Zwei Jahre Planungs- und acht Monate Bauzeit waren nötig, um die bisher einmalige Anlage zu erstellen. Kleinere Gedenkstätten für Seebestattungen gibt es in Norddeich und Wilhelmshaven. »Die Gedenkstätte liegt hier fast ungeschützt an der See, schwere Stürme mit Orkanböen sowie Sturmfluten sind hier möglich«, sagte Albrecht. Das habe man berücksichtigt. Um Standsicherheit zu gewährleisten, habe man 150 Tonnen Material wie Beton, Stahl und Holz verarbeitet. Die Baukosten hätten bei 150.000 Euro gelegen. Die Gedenkstätte, die von der Reederei Albrecht gebaut wurde und von ihr gepflegt wird, hatte viele Unterstützer. Albrecht bedankte sich bei Rolf Claußen als Vorsitzenden des Hafenzweckverbands Harlesiel, auf dessen Grund und Boden die Anlage entstand. Der Geschäftsführer des Hafenzweckverbands Johann Schild sei eine große Hilfe gewesen. »Ohne ihn wäre es ein schwerer Weg geworden«, sagte Albrecht. »Ich habe nicht geglaubt, dass es noch eine so kooperative Behörde gibt«, sagte der Reeder über die friesische Kreisverwaltung. Sie war zuständig, weil die Brücke der Erinnerung auf Wangerländer Gebiet liegt.

Erinnerung

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RUND UM DEN ALTEN LEUCHTTURM

Er war der letzte Leuchtfeuerwärter von Wangerooge. Die MOIN traf den 80-jährigen Wolfgang Scheffer nicht auf der Insel, sondern am Großglockner.

Vom Meer in die Berge. Der ehemaligen Leiterin der Wangerooger Grundschule und seit vier Jahren Fotografin der MOIN war der kleine Wagen mit dem FRI auf dem Kennzeichen aufgefallen. Am Großglockner kamen sich die beiden Wangerooger näher. Ein Gespräch in der Fremde. Nicht am Wattenmeer, wo die Fotografin wohnt, und nicht in der Charlottenstraße, wo der gelernte Elektriker lebt, nein, am großen Großglockner trafen sich die beiden Naturliebhaber. Zufällig. Aber mit Folgen. Klar, dass Wolfgang Scheffer in den Wochen danach auf der Insel seine Geschichte bei Kaffee und Kuchen zum Besten gab.

Der gebürtige Hagener, der im kleinen, beschaulichen Westfalen-Städtchen Gevelsberg als Sohn eines Schneiders aufwuchs, lernte 1959 das Meer beim Urlaub auf Wangerooge kennen und lieben. Schon ein Jahr später zog Scheffer nach Wangerooge und bewarb sich 1964 als Leuchtfeuerwärter: »Als gelernter Elektriker reizte mich die Technik im Alten Leuchtturm.« Fünf Jahre lang, bis zur Abschaltung des Leitfeuers am 7. November 1969 – morgens um 7 Uhr 37 – wartete er gemeinsam mit seinen Kollegen Anton Janßen, Walter Heiburg und Hans Kästner die Anlage. Sie war 1927 als Doppelfeuer mit einer Leistung von 474.000 Hefnerkerzen (Red.: Die Einheit Hefnerkerze gibt die Lichtstärke an, die von einer Lichtquelle in eine bestimmte Richtung emittiert wird) installiert worden. Dieses Leuchtfeuer hatte eine Reichweite von 56 Kilometern. »Es war eine wunderschöne Zeit«, erinnert sich Scheffer, der großen Wert darauf legt, dass er Leuchtfeuer- und nicht Leuchtturmwärter war: »Wir hatten viel zu tun. Wartungsarbeiten, Reparaturen – bei einem Ausfall mussten wir schnell reagieren.«

Längst hat der neue Leuchtturm im Westen die Funktionen übernommen. Scheffer selbst aber blieb dem Alten Leuchtturm treu, bietet seit 1970 Führungen an und erzählte in der »Teestube« bei seinen Vorträgen vom Leuchtfeuer. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihn immer noch die alten Leuchtbogenlampen faszinieren. Eine davon hat er aus dem Alten Leuchtturm »gerettet« und erläutert gerne ihr Prinzip. Das einzige Überbleibsel im Alten Leuchtturm ist das alte Sofa im »Hochzeitszimmer«. Wolfgang Scheffer schaut verschmitzt: »Gut, dass die Besucher heute nicht wissen, was früher auf dem grünen Sofa so alles passiert ist …« Scheffer bedauert, dass vor 47 Jahren das Leitfeuer des alten Wangerooger Leuchtturms nach 113 Jahren, einem Monat und fünf Tagen Betriebszeit endgültig abgeschaltet worden war. Er arbeitete zunächst im neuen Leuchtturm. Doch die Technik dort hatte keinen Reiz mehr für ihn: »Alles Austauschtechnik – das ist für einen Elektriker nicht so interessant.«

 

Alter-Leuchtturm

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MIT DEM FLIEGER ANS MEER

Es gibt Wünsche, die sind sehr groß, klingen im ersten Moment jedoch eher klein. So auch der Wunsch des 15-jährigen Kai, der gerne einen Tag am Meer verbringen wollte. Dieser Traum wurde ihm während seines Aufenthalts vom Kinder- und Jugendhospiz »Joshuas Engelreich« ermöglicht, wie Michael Hacker in der Wilhelmshavener Zeitung schrieb.
Gemeinsam mit der achtjährigen Sophie, ihrer Mutter sowie Mitarbeitern des Kinderhospizes ging es mit dem Flugzeug, was ebenfalls Kais Wunsch war, für einen Tag nach Wangerooge. Dort erkundete die kleine Reisegruppe die Insel und genoss die ersten Sonnenstrahlen im Strandkorb. Ermöglicht wurde der Tag vom Verein »Herzenswünsche«, der sich bundesweit für schwer kranke Kinder und Jugendliche einsetzt und ihnen ihre Wünsche erfüllt.

Die Organisation vor Ort übernahm der Lions-Club Wangerooge. »Zeit gemeinsam und bewusst erleben zu können, Wünsche erfüllen, Kraft tanken. All das sind zentrale Aspekte der Hospizarbeit hier bei uns in Wilhelmshaven«, so die Hospizleiterin Irene Müller. Der Lions-Club Wangerooge ist einer von 1.541 Lions Clubs in Deutschland (Tendenz steigend). Die »Lions« in Deutschland haben 51.826 Mitglieder. Von den Clubs sind 100 Damen- und 576 gemischte Clubs. Wangerooge hat einen gemischten Lions-Club mit zur Zeit 24 Mitgliedern. Die von der MOIN bereits einmal vorgestellte Renata Margarete Schiffer war mit 94 Jahren das älteste aktive deutsche Lions-Mitglied und ist im Mai 2016 leider verstorben. Das Motto aller Lions-Clubs: »We serve«, auf deutsch »wir dienen«. Damit verpflichtet sich jedes Lions-Mitglied, den Dienst am Nächsten über seinen persönlichen Profit zu stellen. LIONS ist Name und Wahlspruch zugleich. Seit 1919 lautet er: Liberty, Intelligence, Our Nations Safety. Die inoffizielle deutsche Interpretation: Leben Ist Ohne Nächstenliebe Sinnlos.

 

Wangerooge-Flieger

Foto: Evelyn Genuit

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GEFAHRENABWEHR

Die vom Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven vorbereitete Sanierung des Deckwerks auf Wangerooge hat begonnen: Mit acht Wochen Verspätung wurde der Auftrag zur Sanierung und Erhöhung des Schutzbauwerks gegen die See erteilt. Nur acht Wochen? Eigentlich war der Baubeginn schon für 2013 geplant, der hatte sich allerdings verschoben. 2014 und 2015 geschah ebenfalls nichts. Das neue Deckwerk wird – wie berichtet – aus Wasserbausteinen bestehen und auf einer Länge von 2,9 Kilometern zwischen Harlehörn und Saline erneuert. Die Bauzeit beträgt mindestens drei Jahre. Insgesamt müssen gut 400. 000 Tonnen Steine auf die Insel geschafft und verbaut werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 43 Millionen Euro. Ebenfalls seit 2013 wurde im Gemeinderat auf Antrag der Grünen Wangerooger über die Überarbeitung der Gefahrenabwehrver
ordnung diskutiert. Die Grünen hatten angeregt, die Verordnung an die Regelungen der anderen Inseln anzugleichen. Auf diesen gab es die auf Wangerooge vermehrt aufgetretenen Verstöße gegen das Bauverbot im Sommer und Verstöße gegen Ruhezeiten nicht.

Die neue Gefahrenabwehrverordnung ist beschlossen und soll zügig in Kraft gesetzt werden. Bestehen bleiben die Ruhezeiten von 22 bis 8 und 13 bis 15 Uhr im Sommer. Eine Erweiterung sieht die Satzung für die Ruhezeiten im Winter vor: Vom 1. November an herrscht eine verkürzte Mittagsruhe von 13 bis 14 Uhr. Die Regelung soll bis Ende Februar gelten. Zudem besteht eine Baupause vom 1. Juni bis 15. September.

 

Gefahrenabwehr-Dammbau

FOTO: EVELYN GENUIT

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WUSSTEN SIE, DASS…

… der Mellumrat als Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft mehrere Stationen aufweist, die teilweise ganzjährig durch ehrenamtliche Naturschutzwarte besetzt werden? Auf Mellum und Minsener Oog sind die Stationen von April bis Oktober besetzt, die beiden Wangerooger Stationen haben eine ganzjährige Besetzung. Die Naturschutzwarte sind schwerpunktmäßig Studierende im Bereich Umweltwissenschaften, Geographie oder Ökologie, auf Wangerooge sind auch zwei Teilnehmende des freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ); gemeinsam ist ihnen der Wunsch, praktische Erfahrungen im Naturschutz zu sammeln und sich im Bereich des Nationalparks »Niedersächsisches Wattenmeer« zu engagieren. Die Dauer der Tätigkeit wird individuell vereinbart. Vor Beginn ihrer Tätigkeit bildet der Mellumrat in einem einwöchigen Lehrgang die künftigen Naturschutzwarte aus. Dabei geht es um die Arbeitsschwerpunkte: Schutzgebietsbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit, Erfassungsmethoden der Brut- und Rastvogelbestände, Vogelbestimmung und weitere Monitoring-Programme. Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung informieren über das UNESCO-Weltnaturerbe und den Lebensraum Wattenmeer. Nach Abschluss der Informationswoche übernehmen die Naturschutzwarte gut vorbereitet, hoch motiviert und voller Erwartungen in den Stationen ihre Aufgaben.

Mellumrat-Moin-2-16

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HELENE, DIE MOINKRAWATTE UND DAS SCHWARZE SCHAF


Hamann-Krawatte
Erinnern Sie sich? Im vergangenen Jahr stellte MOIN die Ehefrau des Wangerooger Zahnarztes Dr. Jürgen Hamann vor, die mit ihren Malereien nicht nur die Insulaner beeindruckt hat. Inzwischen hat Helene Hamann wieder mit eindrucksvollen Gemälden »zugeschlagen«. Ganz neu ist die von Helene entworfene MOIN-Krawatte.

Und ganz besonders sehenswert ist die »Ostfriesenkuh« mit den sieben Inseln auf dem breiten Rücken. Tolle Bilder. Mit »Tieren und den Leuten auf der Insel« ebenso wie mit den Badenden und den Möwen. Wer das schwarze unter den Schafen ist? Das erfahren Sie in der nächsten Ausgabe. Übrigens sind die besten Bilder auch auf der Ausstellung zu sehen, die der Wangerooger Bürgerverein vom 23. Juli bis zum 3. August 2016 im Seminarraum Nord veranstaltet.

 

 

Hamann-Bilder-1

 

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