ÄLTESTER INSULANER: GEBOREN IM LEUCHTTURM

Er fühlt sich noch topfit. Werner Maaß ist der zehn Jahre ältere Bruder des auf der Insel bestens bekannten, ehemaligen
Rettungsschwimmers Wilhelm »Queller« Maaß. Während der mit seinem alten Fahrrad immer noch die Straßen Wangerooges
unsicher macht, lebt Werner Maaß in Uetersen. Wenn er mal nicht mit seiner Frau irgendwo auf der Welt unterwegs ist.

Werner Maaß wurde am 21.3.1923 im Leuchtturm Wangerooge geboren und kann sich »ältester Insulaner « nennen. Seine Hebamme war damals Frau Lammers, die Vorgängerin von Frau Post. Der rüstige Rentner, der 37 Jahre aus beruflichen Gründen in Schweden lebte, einen schwedischen und einen deutschen Pass besitzt, besucht jedes Jahr mehrfach »seine Insel«. Wie viele Wangerooger zog es auch ihn in die weite Welt (siehe MOINBuch »Wangerooge und der Rest der Welt).
Und wie viele Insulaner vor ihm besuchte er auch Südamerika. Vor 20 Jahren reiste Werner Maaß nach Brasilien. Was er dort in vier Wochen erlebte, berichtet er der »MOIN von Wangerooge.«

URWALD UND ZUCKERHUT
»Nach elf Stunden Flug landeten wir auf dem Flugplatz Galeao in Sao Paulo. Die Durchsagen verstanden wir nicht. Wir fanden
eine Frau, in Flugplatzkleidung. Sie sagte uns, wo es zum Inlandsflug nach Blumenau geht. Hier versammelten sich 15 Personen. Nach stundenlangem Warten und mehreren Durchsagen (für uns wieder einmal nicht zu verstehen) war es soweit. Abflug. Der Flug dauerte … Wir hätten eigentlich längst da sein müssen. Als wir dann endlich landeten, waren wir wieder in Sao Paulo. Nach abermaligem, langem Warten bekamen wir belegte Brote und etwas zu trinken. Wir wussten nicht, was geschehen war; und so fragte ich einen Herren neben mir. Auf dem Flugplatz in Blumenau gab es eine Überschwemmung. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir einen neuen Flug bekamen.

Wir hofften, dass der Flugplatz inzwischen wieder zum Landen freigegeben war. Wir hatten vereinbart, dass wir dort  abgeholt werden. Nach der Landung waren dann alle schnell verschwunden. Nun standen wir alleine da und warteten auf unsere Abholer. Doch niemand kam … Bis ein Angestellter des Flugplatzes auf uns zukam und wir erfuhren, dass wir schon wieder nicht am richtigen Flugplatz angekommen waren, sondern in Florianopolis! Er brachte uns zu einem Bus, der uns dann schließlich an unser eigentliches Ziel bringen sollte; die anderen Passagiere saßen schon im Bus. Unser Glück: Florianopolis liegt »nur« etwa 130km nördlich von Blumenau an der Küste. In der Nähe unseres Zielortes besuchten wir noch einen Ort mit dem Namen Pommerode, einst gegründet von Deutschen aus Pommern. Mit unserer Gastgeberin fuhren wir für einige Tage zu ihrem  Sommerhaus, das ca. 150km von Blumenau an der Atlantik-Küste liegt. Ein traumhafter
Sandstrand erwartete uns. Später wollten wir dann die größten Wasserfälle Südamerikas besuchen, die Cataratasdo Iguacu. Sie liegen mitten im Urwald am Dreiländereck Paraguay-Argentinien- Brasilien und sind nur mit dem Flugzeug erreichbar. Als es dann losging, mussten wir mit einem Bus etwa 250km nach Curitiba fahren. Dort waren wir gezwungen, zu  übernachten.

Am nächsten Morgen flogen wir dann von dort aus 630 km zu den Wasserfällen. Vor Ort gab es eine große Hotelanlage,
in der wir einige Nächte verbrachten. Die Wasserfälle selbst waren sehr imposant und wurden von den Flüssen Parana und Iguacu gespeist. Einige Kilometer entfernt machten wir noch einen Abstecher zum örtlichen (riesigen) Wasserkraftwerk, Itaipu. Man sagt, es sei eines der sieben Weltwunder der modernen Welt! Es wird von Brasilien sowie Paraguay betrieben. Übrigens: Unser Taxifahrer war auf dieser Tour gleichzeitig unser Reiseführer; er fuhr mit uns außerdem zur argentinischen Grenze, wo wir für 5$ den ansässigen Nationalpark genießen durften. Doch zurück zu den Wasserfällen: Hier liefen etliche Nasenbären ohne Scheu zwischen den Menschen, manche gaben ihnen sogar etwas zum Fressen.

AN DER COPACABANA
Auch bevor es zurück nach Blumenau ging mussten wir in Curitiba übernachten. Einige Tage darauf ging es nach Rio de Janeiro, wo wir ein Zimmer im Hotel Copacabana Ozean bewohnten. Dort stand uns des Weiteren ein Reiseführer mit Auto für vier Tage zur Verfügung. Von unserem Zimmer waren es nur 30m zur Copacabana, wo der Strand allerdings nur spärlich besetzt war. Die Saison war schon vorbei. Obwohl es bereits November war, war es aber angenehm warm. Die weltbekannte Christus-Statue steht auf dem Berg Corcovado und thront in 710m Höhe über der Stadt. Mit einer Bergbahn fuhren wir nach oben, wo sich uns ein eindrucksvoller Anblick bot. Weiter ging es zum Zuckerhut (Pao de Acucar) mit zwei Seilbahnen. Leider war dieser von Nebel umhüllt, was den tollen Ausblick von der Umsteige-Station aber nicht minderte. Der nächste Tag führte uns über eine 14km lange Brücke auf die Insel Itirot. Von hier konnten wir den Zuckerhut noch einmal von hinten sehen. Wie es so ist, war der Urlaub viel zu schnell vorbei. Rückflug nach Deutschland. Es ging mit dem Taxifahrer (425 km mit dem Auto!) zum Flughafen von Sao Paulo. Die vier Wochen vergingen, wie es so ist, wie im Flug. Doch zum Glück verlief
der Rückflug im Vergleich zum Hinflug reibungslos …«
TEXT: WERNER MAASSWerner-Maaß
FOTOS: PRIVATARCHIV

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