Kategorie Nicolai-Kirche

DER ORGELBAUER VON WANGEROOGE

Wolfgang Henseleit hat sich als »Herr der Orgelpfeifen« längst einen guten Namen auf seiner Insel gemacht. Doch Gustav Wissmann ist nicht so bekannt auf Wangerooge, obwohl es ohne den ehemaligen Inselschüler wahrscheinlich keine Orgel in dieser Form in der evangelischen NikolaiKirche geben würde. Die MOIN traf den bekannten Kirchenmusiker in den Wangerooger Dünen.

Wissmann-Orgel“Meine Zeit auf Wangerooge hat mich für mein ganzes Leben geprägt”, betont der in Celle beheimatete Gustav Wissmann, wenn er zurück schaut. Er denkt dabei vor allem an seinen beruflichen Werdegang als Musiklehrer und Kirchenmusiker. »Ich war Anfang der 60er Jahre als Schüler auf der Insel, um dort, das war damals noch möglich, mein Abitur zu machen«, erzählt der freundliche, ältere Herr. Weil der Chorleiter und Organist seinerzeit in Pension gegangen war, bat man mich, doch seine Nachfolge anzutreten. Ich hatte damals allerdings keine Orgel-Erfahrung und spielte lediglich Klavier.«

Wer schon mal ein Orgelkonzert besucht und gesehen hat, welche sportliche Leistung allein die Fußarbeit eines Organisten bedeutet, der kann ermessen, vor welcher Herausforderung der junge Gustav Wissmann damals stand. Wie der (glückliche) Zufall es wollte, wurde 1963 in der Kirche eine neue Orgel aufgebaut, und der Gymnasiast wurde eine Woche von der Schulleitung freigestellt, um mit den Experten das riesige Instrument aufzubauen. »Ich habe damals jede Pfeife in der Hand gehabt und kenne die Orgel besser als meine Wohnung«, meint Wissmann schmunzelnd und versichert: »Durch meine damalige Arbeit habe ich auch eine besonders emotionale Beziehung zu dieser Orgel. Und die hat mich auch bewogen, mich nach absolviertem Abitur bei der Ausbildung zum Musiklehrer speziell auf die Orgel zu konzentrieren und zu studieren.« Wissmanns Nachfolger war ausgerechnet sein ehemaliger Lehrer Wolfgang Henseleit, der vielseitig begabte Pädagoge, Chorleiter, Organist und brillante HobbyDichter, der diese Ämter zum Teil auch noch in der Gegenwart ausübt.

Germanistik war das zweite Studienfach in Hannover, wobei Wissmann danach in den ersten Jahren als Lehrer an einer Sonderschule gearbeitet hat und dort sämtliche Fächer unterrichten musste. »Sehr lehrreich, und eine Erfahrung, die auch heute noch vielen Lehrern gut täte«, so Wissmann, der im Laufe seiner beruflichen Laufbahn auch als wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule in Hannover seinerseits Musik-Lehrer ausbildete. 1978 dann die Anstellung als Musiklehrer am Gymnasium in Celle, während der Musik-Pädagoge als Organist auch Gottesdienste musikalisch begleitete, Konzerte gab und, so ist es im Internet zu lesen, auch bisweilen als Tenor wirkt. »Ich bin natürlich kein professioneller Sänger und nur selten Solist«. wiegelt der vielseitig begabte  Musiker ab. Die Beziehung zu Wangerooge ist nie abgerissen, und das hat nicht nur seinen Grund in seiner Orgel in Sankt Nikolai, sondern noch einen weiteren gravierenden: »Ich war 1962 auf der Insel, als die von der verheerenden Sturmflut heimgesucht worden war. Wir haben damals alle mit anpacken müssen, um mit Sandsäcken das Schlimmste zu verhindern. Genützt hat es nicht viel. Wir sind damals völlig abgesoffen. So etwas gemeinsam erlebt zu haben, schweißt fürs Leben zusammen«, ist Wissmanns prägende Erinnerung. Aber auch die Liebe zur Musik belebt die Liebe zur Insel alljährlich aufs Neue. »Bei Ehemaligen-Treffen bin ich regelmäßiger Gast und freue mich dann auch, wenn ich zusammen mit Wolfgang Henseleit musizieren kann und er mich dann auch mal an unsere Orgel lässt«, meint Wissmann lächelnd und lässt sich auch nicht lange bitten, wenn es um ein Konzert in St. Nikolai geht. Kürzlich war die Kirche trotz bestem Badewetter voll, und da waren auch Urlaubsgäste dabei, registriert der begeisterte Musiker  zufrieden. Privat lebt der vierfache Vater und vierfache Großvater nach dem Tod seiner Frau vor neun Jahren zusammen mit einer Tochter und den Enkeln in Celle in einem Drei-Generationenhaus. Eine wunderbare Erfahrung, zumal auch alle musizieren. Drei Mal im Jahr zieht es ihn nach Wangerooge, wo vor mehr als einem halben Jahrhundert die Weichen für sein berufliches Leben entscheidend gestellt wurden.

Henseleit-Orgel

 
TEXT: FRIEDEMANN BRÄUER FOTOS: EVELYN GENUIT, KURT KEIL UND ANNEMARIE HILLING

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Afrika lässt grüßen

Immer wieder ein Genuss, dem bekannten Wangerooger Gospelchor »Vocal Waves« in der Nikolai-Kirche zuzuhören.

Der Beginn einer Inselpremiere, die etwas Afrika-lastig ist, aber beim Publikum bestens ankommt. Auch deshalb, weil Pastor Günther Raschen in der ihm eigenen lockeren Art den Chor mit seiner »Ersatz-Orgel« und der »Djembe-Trommel« begleitet und Stimmung macht.
Afrika auf Wangerooge. Rüdiger Mann, einer der wenigen Männer im Ensemble, bereitet mit erfrischenden Sätzen die Gäste auf die nächsten Songs vor. Uschi Boog erzählt die Geschichte des Bremers Micha Keding, der im vergangenen Oktober auch den stets gut besuchten Workshop auf der Insel geleitet hat. Eine seiner Kompositionen schickte Keding zu seinem im Süden Akrikas lebenden Onkel mit der Bitte, einen zur Melodie passenden Text zu verfassen.
Der Onkel reagierte prompt. Es entstand der wunderbare Song »Woza Nkosi«, den »Vocal Waves« beim ersten Kirchenkonzert zum Besten gaben. Viel Applaus gab es aber auch für »Erile«. Eigentlich ein Song für Sieger.
Ein afrikanisches Lied für Frieden und Freiheit. Wenn die Urlauber demnächst einen Wangerooger auf der Insel begegnen, der einen anderen mit »Erile« begrüßt, dann können sie sicher sei, dass es Sängerinnen oder Sänger aus dem Gospelchor sind …
FOTOS: EVELYN GENUIT / T EXT: MANFRED OSENBERG

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