Kategorie Umwelt

KABELJAU UND KLIMAWANDEL

Die Temperaturen steigen, die Gewässer werden wärmer. Das klingt im Hinblick auf den Badeurlaub vielleicht verführerisch, hat aber auch andere weitreichende Konsequenzen. Auch für den Kabeljau. Der Kabeljau: Ein kommerziell wertvoller Fisch, nicht nur an der Nordsee. Doch dem beliebten Speisefisch wird es langsam etwas zu warm in unseren Gewässern. Immerhin ist es die südliche Grenze seines Verbreitungsgebietes … Und die Temperaturen steigen. Sein
Glück: Nach Norden hin wird es ebenfalls wärmer und so wird sein potentieller Lebensraum größer. In der Nordsee
entdeckt man hingegen zunehmend Sardellen oder auch Sardinen, die sich dort nun augenscheinlich deutlich wohler fühlen. Ein weiterer Neuansiedler: Die Pazifische Auster. Im Grunde beherrscht diese, unter Feinschmeckern sehr begehrte
Muschelart, das gesamte Wattenmeer. Sie benötigt Wassertemperaturen von mindestens 18 Grad Celsius. Und das über
mehrere Wochen hinweg. In den letzten Jahren war das kein Problem für das Wattenmeer. Der Klimawandel sorgt also dafür, dass wir in unserer See immer mehr dieser für uns noch ungewohnten Meeresbewohner sichten: Die milden Temperaturen verdrängen aber gleichzeitig solche, die wir als Speisefisch kennen und lieben lernten. Die Nordsee ohne den Kabeljau: kaum vorstellbar. Vielleicht ist die »Flucht« in den Norden aber auch seine letzte Rettung, schließlich ist der Kabeljau inzwischen stark durch Überfischung Kabeljaugefährdet!
MARC OSENBERG

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GUTE VERBINDUNG

Wunderschönes Wangerooge. An diesem heißen Sommertag steht die Luft schwül und drückend im windgeschützten Heidegebiet westlich des Inseldorfes. Die blühende Besenheide taucht die Dünen in zartes Purpur, Insekten summen, an den Kleingewässern hört man immer wieder ein leises Plantschen, wenn die Schwalben auf Beutezug kurz ins Wasser eintauchen. Nur wenige Wanderer sind unterwegs. Doch unvermittelt stößt man auf kleine Gruppen junger Menschen, die schwer arbeiten und schwitzen, aber offenbar Spaß dabei haben, viel lachen und sich in verschiedensten Sprachen unterhalten. Mit Spaten, Hacken und Astscheren rücken sie gezielt der Kartoffelrose und der Spätblühenden Traubenkirsche zu Leibe. Diese beiden Gehölzarten kommen von Natur aus auf der Insel nicht vor, wurden vor vielen Jahren vom Menschen eingeschleppt und haben beide die Eigenschaft, sich invasiv auszubreiten und alles zu überwuchern.

Nicht nur die Heide, auch andere kleine, lichtliebende, gefährdete und deshalb geschützte Pflanzenarten haben so keine Chance mehr. Da hilft nur eines: den so genannten Neophyten entschlossen entgegentreten. Anfangs standen einige Insulaner den Maßnahmen skeptisch gegenüber. Sie hatten sich über die Jahre an die Kartoffelrose gewöhnt und die schleichende Bedrohung der geliebten Heide war vielen nicht bewusst. Zum Auftakt der langjährig angelegten Renaturierungsmaßnahme, im Winter 2010, ließ die Nationalparkverwaltung dann auch noch Bagger anrollen, um erst einmal großräumig Luft zu schaffen und die Rohbodenverhältnisse wieder herzustellen, die die Pionierpflanzen der Heidegesellschaft zwingend benötigen. Bagger im Schutzgebiet – das konnten viele nicht nachvollziehen. Doch dieser einmalige »brachiale« Eingriff war nur die notwendige Initialzündung für die weitere Pflege und Entwicklung. Schon nach wenigen Monaten war zu erkennen, wie die Heidepflanzen das Areal dankbar annahmen. Im Sommer 2010 kam die erste Gruppe von Freiwilligen der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) nach Wangerooge, um in behutsamer Handarbeit den Neuaufwuchs von Kartoffelrose und Traubenkirsche zu entfernen.

Seitdem – nun zum 7. Mal in Folge – gehört die engagierte multikulturelle Einsatztruppe zum hochsommerlichen Bild im Heidegebiet und die fleißigen jungen Leute sind gern gesehene aktive Gäste. Die Inselgärtnerei unter Leitung von Rolf Kretzberg unterstützt die Gruppe bei Abtransport und Entsorgung des Strauchguts. Bürgermeister Dirk Lindner hat die frisch eingetroffene Gruppe persönlich begrüßt. Die »Küstenheide«-Camps werden in bewährter Kooperation zwischen Nationalparkverwaltung, ijgd und dem Mellumrat organisiert. Norbert Hecker, Botaniker bei der Schutzgebietsverwaltung, ist für das fachliche Konzept zuständig, kümmert sich aber auch um Unterkunft, Werkzeuge und anderes, was die Freiwilligen benötigen. Mathias Heckroth und weitere Mitarbeiter des Mellumrates sind als orts- und sachkundige Betreuer beim Einsatz mit der Gruppe im Gelände. Hilke Steevens, Projektreferentin für Internationale Workcamps beim ijgd- Landesverein Niedersachsen e. V. (Hildesheim), kümmert sich um »Rekrutierung« der Freiwilligen und Finanzen.

»Unser besonderer Dank geht an die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung und die Naturschutzstiftung Friesland-Wittmund- Wilhelmshaven, die auch in diesem Jahr dieses erfolgreiche Projekt gefördert haben«, sind Norbert Hecker und Hilke Steevens sich einig. »Ohne diese großzügige finanzielle Unterstützung könnten wir das Camp nicht realisieren«. Die Work-Camps werden von den ijgd international ausgeschrieben – das Wangerooger Camp ist immer schnell ausgebucht. In diesem Jahr sind es 16 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 22 Jahren, zwei davon als Teamleiterinnen. Die weiteste Anreise haben Yu-Hsuan (Taiwan) und Jinhee (Südkorea) auf sich genommen. Camila und Alejandra kommen aus Argentinien bzw. Peru; sie verbringen beide ein Austauschjahr in Deutschland.

2016-12-26_163212Anna und Anastasija sind extra aus Russland angereist, Verner aus Estland, Nuria und Dario aus Spanien, Paulo und George aus Italien, Florian aus Österreich. Aus Deutschland kommen die beiden Freundinnen Alexa und Johanna sowie Teamleiterin Rebecca, die sich die Verantwortung mit Malene aus Dänemark teilt. Die Motive für die Entscheidung, in den Ferien zu »schuften« statt zu faulenzen, sind vielfältig. Keiner der diesjährigen Teilnehmer, sie sind alle Schüler oder Studierende, plant einen beruflichen Werdegang im Naturschutz, aber alle verbindet der Wunsch, aktiv etwas für den Erhalt der Natur zu tun. Weitere Beweggründe sind, Gleichaltrige aus anderen Ländern und deren Kultur kennenzulernen oder eigene Sprachkenntnisse – Deutsch oder Englisch – zu verbessern.

Eine Teilnehmerin wurde durch ihre Mutter motiviert, die selbst früher bei ijgd-Camps dabei war. »Zurück in den Heimatländern, sind diese jungen Freiwilligen internationale Botschafter für das Weltnaturerbe Wattenmeer «, ist Imke Zwoch überzeugt, die das Freiwilligenprogramm im Nationalpark koordiniert. Ein gern gesehener Nebeneffekt der Gruppeneinsätze. Doch die Hauptsache ist: Über die Jahre lässt sich eine erfreuliche Entwicklung der Heidepflanzen und anderer botanischer Kostbarkeiten feststellen, die vom Druck der invasiven Gehölze befreit wurden. Diese muss man langfristig weiterhin im Auge behalten, sie werden immer wieder versuchen, sich durchzusetzen. Aktuell waren Norbert Hecker und seine Mitstreiter positiv überrascht, dass auf einzelnen Teilflächen des Projektgebietes kein einziger Trieb der Neophyten zu finden war: »Die Freiwilligen haben in den letzten Jahren fantastische Arbeit geleistet.«

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NEUER FAHRER FÜR PETRUS

Wenn der Heuler heult, weil er seine Familie verloren hat, helfen Gäste und Insulaner. Jeder kennt auf Wangerooge Friedrich Petrus, der seit mehr als 30 Jahren dafür sorgt, dass diese armen Geschöpfe ins Leben und zurück zur Natur geführt werden können.
Nachdem das Seehundrettungsteam,alarmiert durch aufmerksame Spaziergänger, das kleine vereinsamte, orientierungslose
Raubtier geborgen und in eine spezielle Transportkiste verstaut hat, bringt es der Flieger der FLN ans Festland. Dort wird es von Mitarbeitern der Aufzuchtstation in Norden abgeholt und in Sicherheit gebracht. Seit diesem Sommer wird das Team um
Friedrich Petrus unterstützt von Helge Biethahn, der als Fahrer des Rettungsfahrzeugs und als Bergungshilfe seinen Anteil hat. Wie dieser berichtet, ist es manchmal gar nicht so einfach, wenn mitten in der Badezeit das Fahrzeug durch spielende
Kinder und badende Gäste zum Fundort gelangen muss. Das größte Problem ist dabei, dass sich das Fahrzeug leicht in dem tiefen Sand festfahren kann.

So kommt es leider vor, dass nicht alle Verständnis für die Sorge um den zu rettenden Heuler zu Lasten »ihres« Spielraums am Strand haben. Allerdings sind das Einzelfälle, meist kommt Unterstützung von den Gästen. Die letzte Rettung am  Hauptstrand war Anfang September nur dadurch möglich, dass Mitarbeiter der DLRG und Gäste die Durchfahrt des Mobils und die Bergung des jungen Heulers unterstützten. Der Dank gilt all denen, die tatkräftig mit dazu beitragen, dass die vereinsamten Heuler nicht »verenden« müssen. Wer die ehrenamtliche Arbeit der Auffangstation und ihrer Helfer begleiten möchte, kann dies als Spende auf das Konto unterstützen:

Seehundstation Nationalpark-Haus
IBAN: DE62 2836 1592 0007 7771 11
BIC: GENODEF1MAR
http://www.seehundstation-norddeich.de
FOTOS: RENATE ZERHUSEN

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STRANDGUT UND MÜLL

Keine Frage: Angespülter Müll am Strand verschandelt nicht nur das Landschaftsbild, sondern ist auch eine ernsthafte Gefahr für
die Tiere im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Die MOIN hatte sich in der April- Ausgabe dieser betrüblichen Tatsache in einem längeren Artikel »angenähert«.

j etzt folgten Taten. Auf Wangerooge stehen deshalb Strand-Müll-Boxen zur Sammlung dieser unerwünschten Strandfunde bereit. Denn: Wer auf Wangerooge am Strand spazieren geht, kennt das Problem herumliegenden Mülls. Was für uns nicht schön anzuschauen ist, kann Vögeln, Robben und Fischen leicht zum Verhängnis werden, wenn sie die Fremdkörper verschlucken oder sich in Müllteilen verfangen. Die Aktion STRAND-MÜLL-BOX greift deshalb das freiwillige Engagement von Strandspaziergänger/innen auf und bietet auf Wangerooge jetzt eine Möglichkeit zur einfachen Entsorgung des Strandmülls.

Auf gemeinsame Initiative von Nationalparkverwaltung, Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft Mellumrat e.V. und Strandgut-2Nationalpark-Haus Wangerooge wurden Müll-Boxen an den Strandaufgängen an drei Standorten aufgestellt: Am nordwestli-chen Strand bei der Saline, am nordöstlichen Strand bei der National-park-Station Ost sowie im Westen am Deckwerk beim Westturm. Eine weitere Strand-Müll-Box folgt an einem vierten, noch zu bestimmen-den Standort.

Ausschlaggebend für den Erfolg der Aktion ist die Unterstützung durch die Gemeinde Wangerooge und den Landkreis Friesland: Die Gemeinde sorgt für den Austausch gefüllter Strand-Müll-Boxen, der Landkreis als untere Abfallbehörde gewährleistet die Entsorgung des Mülls. Was freiwillige Müll-Sammler beachten sollten: Die Boxen sind nur für den Müll gedacht, der aus dem Meer kommt. Eigene Abfälle sollten zu Hause entsorgt werden. Holz und andere organische Stoffe gehörennicht in die Box und können am Strand liegen bleiben.

Der Mellumrat betrachtet das Thema Strandmüll als eine seiner Kernaufgaben. Die systematischen Strandmüll-Kontrollen
auf den Inseln Mellum (seit 1991) und Minsener Oog (seit 1995) sind die längsten Zeitreihen ihrer Art im Bereich des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Dabei wurden insgesamt rund 80 000 Müllteile erfasst.

Die Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft Mellumrat mit Sitz in Varel- Dangast (Kreis Friesland) begeht in diesemStrandgut-1

Jahr ihr 90-jähriges Bestehen und ist damit einer der ältesten Natur-schutzvereine im Oldenburger Land. In den ersten Jahrzehnten war der Mellumrat ein Knotenpunkt von Naturschutzaktivitäten im Oldenburger Land, heute bestimmen staatliche Naturschutzbehörden das Geschehen der Schutzgebiete.

Die Bedeutung des ehrenamtlichen Naturschutzes ist geblieben. Der Verein mit seinen mehr als 360 privaten und 23 juristischen Mitgliedern (Landkreise, Gemeinden, wissenschaftliche Institute und Natur-schutzverbände) versteht sich als verlässlicher Partner von Natur-schutzbehörden. Auf der Insel Wangerooge, die bekanntlich als einzige der bewohnten ostfriesischen Inseln nicht zum historischen Territorium Ostfriesland gehört, sondern historisch Teil des friesischen Jeverlandes ist, arbeitet der Mellumrat seit 1935. Der Verein unterhält auf der Insel zwei Nationalparkstationen als Wohn- und Arbeitsplatz für seine Naturschutzwarte sowie für Gastforscher. Übrigens: Auf Wangerooge sind das ganze Jahr über Naturschutzwarte tätig. Als Besucher- Information und Bildungseinrichtung dient das Nationalpark-Haus Wangerooge, in dem der Mellumrat Mitglied der Trägergemeinschaft ist. Das Nationalpark-Haus wird von jährlich mehr als 30 000 Besuchern aufgesucht, und es werden über 1300 Veranstaltungen pro Jahr angeboten.

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