Kategorie Wangerooge

SCHIFFE DRÄNGELN NICHT

Sie genießen die Insel, das Flair, die gesunde Luft. Aber manchmal schimpfen die Urlauber auch, wenn sie am Anleger in Harle für Gepäck und Fahrkarten lange anstehen müssen. Manche drängeln. Nicht so die Schiffe »auf der anderen Seite«, draußen im Meer. parallel zur Insel verlaufen gleich drei wichtige Schifffahrtsrouten: der Elbe-Schifffahrtsweg, die Weser-Route und – am nächsten zur Insel – das Jade-Fahrwasser. Alle Güter, die per Schiff importiert werden, kommen hier vorbei. Auch ohne Fernglas kann man die Namen der Containerriesen lesen.

DIE POST IST DA
Die beiden Wangerooge-Fähren MS Harlingerland und MS Wangerooge werden zum Schiffspostamt. Dieter Stephan,  Koordinator der Eventteams der Deutschen Post Philatelie in Norddeutschland, richtete auf den Schiffen Postämter ein. Er hat nicht nur die Vereidigung und Einweisung des Personals vorgenommen, sondern auch die beiden nagelneuen  Schiffspoststempel übergeben. Damit können Briefe und Postkarten an Bord aufgegeben werden – und alle erhalten je nach Schiff den entsprechenden Stempel. Und zur Schiffsposteröffnung gab es als besondere Stempelvorlage einen limitierten  Sonderbriefumschlag, der für 80 Cent abgegeben wird. Er ist in einer Auflage von 1000 Stück vorrätig und zeigt links die beiden Insel-Fähren auf dem Weg von Wangerooge nach Harlesiel. Die Schiffspostbeauftragten haben vor Ort neben Ansichtskarten auch eine kleine Auswahl an maritimen Sonderbriefmarken, damit auf der Urlaubspostkarte von der Nordsee auch gleich das passende Porto verklebt werden kann. Die MS Harlingerland hatte schon einmal einen Schiffspoststempel – und zwar, als das Schiff noch im Helgoland-Verkehr eingesetzt wurde, weiß Dieter Stephan. »Dass nun Schiffspostämter eingerichtet werden, begann mit einer Spinnerei«, erzählt er: In Deutschland gibt es etwa 40 Schiffe – Fähren, Ausflugsschiffe und Museumsschiffe – mit Schiff-Poststelle. Und dass die Fähren der Schifffahrt- und Inselbahn ab sofort dazugehören, war eine Idee von Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis in Hamburg. Der sprach Dieter Stephan an und der wiederum Hotelier Jan Hinrichs aus Carolinensiel, der die Gastronomie auf den Insel-Fähren betreibt.

Die »MS Wangerooge« war im April das erste Schiff, in dem das Schiffspostamt eingerichtet wurde. Dieter Stephan war mit
an Bord. Es folgte dann die »MS Harlesiel«. Weil es an der niedersächsischen Nordseeküste noch mehr Schiffe gibt, war Dieter Stephan mit seinem Team auch in den darauffolgenden Wochen in der Region unterwegs: Ende April eröffnete er Schiffspoststellen auf den Schiffen »Münsterland«, »Ostfriesland«, »Westfalen« und »Wappen« der Borkum Reederei AG Ems, am 1. Mai auf dem Katamaran »Nordlicht« der Reederei und am 3. Mai auf dem Feuerschiff »Borkumriff«.
FOTO: EVELYN GENUIT

Fähren-Wangerooge

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KABELJAU UND KLIMAWANDEL

Die Temperaturen steigen, die Gewässer werden wärmer. Das klingt im Hinblick auf den Badeurlaub vielleicht verführerisch, hat aber auch andere weitreichende Konsequenzen. Auch für den Kabeljau. Der Kabeljau: Ein kommerziell wertvoller Fisch, nicht nur an der Nordsee. Doch dem beliebten Speisefisch wird es langsam etwas zu warm in unseren Gewässern. Immerhin ist es die südliche Grenze seines Verbreitungsgebietes … Und die Temperaturen steigen. Sein
Glück: Nach Norden hin wird es ebenfalls wärmer und so wird sein potentieller Lebensraum größer. In der Nordsee
entdeckt man hingegen zunehmend Sardellen oder auch Sardinen, die sich dort nun augenscheinlich deutlich wohler fühlen. Ein weiterer Neuansiedler: Die Pazifische Auster. Im Grunde beherrscht diese, unter Feinschmeckern sehr begehrte
Muschelart, das gesamte Wattenmeer. Sie benötigt Wassertemperaturen von mindestens 18 Grad Celsius. Und das über
mehrere Wochen hinweg. In den letzten Jahren war das kein Problem für das Wattenmeer. Der Klimawandel sorgt also dafür, dass wir in unserer See immer mehr dieser für uns noch ungewohnten Meeresbewohner sichten: Die milden Temperaturen verdrängen aber gleichzeitig solche, die wir als Speisefisch kennen und lieben lernten. Die Nordsee ohne den Kabeljau: kaum vorstellbar. Vielleicht ist die »Flucht« in den Norden aber auch seine letzte Rettung, schließlich ist der Kabeljau inzwischen stark durch Überfischung Kabeljaugefährdet!
MARC OSENBERG

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ÄLTESTER INSULANER: GEBOREN IM LEUCHTTURM

Er fühlt sich noch topfit. Werner Maaß ist der zehn Jahre ältere Bruder des auf der Insel bestens bekannten, ehemaligen
Rettungsschwimmers Wilhelm »Queller« Maaß. Während der mit seinem alten Fahrrad immer noch die Straßen Wangerooges
unsicher macht, lebt Werner Maaß in Uetersen. Wenn er mal nicht mit seiner Frau irgendwo auf der Welt unterwegs ist.

Werner Maaß wurde am 21.3.1923 im Leuchtturm Wangerooge geboren und kann sich »ältester Insulaner « nennen. Seine Hebamme war damals Frau Lammers, die Vorgängerin von Frau Post. Der rüstige Rentner, der 37 Jahre aus beruflichen Gründen in Schweden lebte, einen schwedischen und einen deutschen Pass besitzt, besucht jedes Jahr mehrfach »seine Insel«. Wie viele Wangerooger zog es auch ihn in die weite Welt (siehe MOINBuch »Wangerooge und der Rest der Welt).
Und wie viele Insulaner vor ihm besuchte er auch Südamerika. Vor 20 Jahren reiste Werner Maaß nach Brasilien. Was er dort in vier Wochen erlebte, berichtet er der »MOIN von Wangerooge.«

URWALD UND ZUCKERHUT
»Nach elf Stunden Flug landeten wir auf dem Flugplatz Galeao in Sao Paulo. Die Durchsagen verstanden wir nicht. Wir fanden
eine Frau, in Flugplatzkleidung. Sie sagte uns, wo es zum Inlandsflug nach Blumenau geht. Hier versammelten sich 15 Personen. Nach stundenlangem Warten und mehreren Durchsagen (für uns wieder einmal nicht zu verstehen) war es soweit. Abflug. Der Flug dauerte … Wir hätten eigentlich längst da sein müssen. Als wir dann endlich landeten, waren wir wieder in Sao Paulo. Nach abermaligem, langem Warten bekamen wir belegte Brote und etwas zu trinken. Wir wussten nicht, was geschehen war; und so fragte ich einen Herren neben mir. Auf dem Flugplatz in Blumenau gab es eine Überschwemmung. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir einen neuen Flug bekamen.

Wir hofften, dass der Flugplatz inzwischen wieder zum Landen freigegeben war. Wir hatten vereinbart, dass wir dort  abgeholt werden. Nach der Landung waren dann alle schnell verschwunden. Nun standen wir alleine da und warteten auf unsere Abholer. Doch niemand kam … Bis ein Angestellter des Flugplatzes auf uns zukam und wir erfuhren, dass wir schon wieder nicht am richtigen Flugplatz angekommen waren, sondern in Florianopolis! Er brachte uns zu einem Bus, der uns dann schließlich an unser eigentliches Ziel bringen sollte; die anderen Passagiere saßen schon im Bus. Unser Glück: Florianopolis liegt »nur« etwa 130km nördlich von Blumenau an der Küste. In der Nähe unseres Zielortes besuchten wir noch einen Ort mit dem Namen Pommerode, einst gegründet von Deutschen aus Pommern. Mit unserer Gastgeberin fuhren wir für einige Tage zu ihrem  Sommerhaus, das ca. 150km von Blumenau an der Atlantik-Küste liegt. Ein traumhafter
Sandstrand erwartete uns. Später wollten wir dann die größten Wasserfälle Südamerikas besuchen, die Cataratasdo Iguacu. Sie liegen mitten im Urwald am Dreiländereck Paraguay-Argentinien- Brasilien und sind nur mit dem Flugzeug erreichbar. Als es dann losging, mussten wir mit einem Bus etwa 250km nach Curitiba fahren. Dort waren wir gezwungen, zu  übernachten.

Am nächsten Morgen flogen wir dann von dort aus 630 km zu den Wasserfällen. Vor Ort gab es eine große Hotelanlage,
in der wir einige Nächte verbrachten. Die Wasserfälle selbst waren sehr imposant und wurden von den Flüssen Parana und Iguacu gespeist. Einige Kilometer entfernt machten wir noch einen Abstecher zum örtlichen (riesigen) Wasserkraftwerk, Itaipu. Man sagt, es sei eines der sieben Weltwunder der modernen Welt! Es wird von Brasilien sowie Paraguay betrieben. Übrigens: Unser Taxifahrer war auf dieser Tour gleichzeitig unser Reiseführer; er fuhr mit uns außerdem zur argentinischen Grenze, wo wir für 5$ den ansässigen Nationalpark genießen durften. Doch zurück zu den Wasserfällen: Hier liefen etliche Nasenbären ohne Scheu zwischen den Menschen, manche gaben ihnen sogar etwas zum Fressen.

AN DER COPACABANA
Auch bevor es zurück nach Blumenau ging mussten wir in Curitiba übernachten. Einige Tage darauf ging es nach Rio de Janeiro, wo wir ein Zimmer im Hotel Copacabana Ozean bewohnten. Dort stand uns des Weiteren ein Reiseführer mit Auto für vier Tage zur Verfügung. Von unserem Zimmer waren es nur 30m zur Copacabana, wo der Strand allerdings nur spärlich besetzt war. Die Saison war schon vorbei. Obwohl es bereits November war, war es aber angenehm warm. Die weltbekannte Christus-Statue steht auf dem Berg Corcovado und thront in 710m Höhe über der Stadt. Mit einer Bergbahn fuhren wir nach oben, wo sich uns ein eindrucksvoller Anblick bot. Weiter ging es zum Zuckerhut (Pao de Acucar) mit zwei Seilbahnen. Leider war dieser von Nebel umhüllt, was den tollen Ausblick von der Umsteige-Station aber nicht minderte. Der nächste Tag führte uns über eine 14km lange Brücke auf die Insel Itirot. Von hier konnten wir den Zuckerhut noch einmal von hinten sehen. Wie es so ist, war der Urlaub viel zu schnell vorbei. Rückflug nach Deutschland. Es ging mit dem Taxifahrer (425 km mit dem Auto!) zum Flughafen von Sao Paulo. Die vier Wochen vergingen, wie es so ist, wie im Flug. Doch zum Glück verlief
der Rückflug im Vergleich zum Hinflug reibungslos …«
TEXT: WERNER MAASSWerner-Maaß
FOTOS: PRIVATARCHIV

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DER TOTE WAL UND DAS MASSENSTERBEN

pottwal-woogeIm vergangenen Winter sorgte der erste auf Wangerooge angeschwemmte tote Wal für Aufsehen.  Die MOIN berichtete ausführlich über die Ursachen und Folgen.

Fünf große Massensterben hat es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gegeben. Wissenschaftler befürchten, dass die Menschheit gerade ein sechstes auslöst. Ob es dazu kommt, ist noch offen. Paläontologen machen jedoch bei dem, was heute in den Meeren geschieht, ein neues Muster aus: Anders als früher verschwinden vor allem große Tiere, wie auch Dagmar Roehrlich in einem Beitrag für den Deutschlandfunk feststellte. Was derzeit in den Meeren geschieht, hat keine Parallele in der Erdgeschichte. Mit die sem Ergebnis hatte Jonathan Payne von der Stanford University nicht gerechnet. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe hat er sich angeschaut, welche Tierarten heute in den Ozeanen vom Aussterben bedroht sind. Und dieses Muster verglich er dann mit dem, was in der Vergangenheit passiert ist: »Anders als früher ist heute das Aussterberisiko eng mit der Körpergröße verbunden: Große Arten sind generell stärker vom Aussterben bedroht als kleine – und zwar gilt das für alle, gleichgültig, ob es sich um Fische handelt, Muscheln oder Schnecken.«

Hingegen lässt sich für die vergangenen 445 Millionen Jahre statistisch kein Zusammenhang zwischen Körpergröße und dem Risiko auszusterben feststellen: Wenn wir uns also fragen, ob wir etwas aus der fossilen Überlieferung darüber lernen können, was heute geschieht, heißt die Antwort wohl: Nein. Dabei laufen derzeit genau die Prozesse ab, die auch früher Auslöser von Katastrophen waren – allerdings ohne dass der Mensch sie antrieb: globale Erwärmung, Meeresversauerung, das Absinken des Sauerstoffgehalts im Wasser. Und doch ist das »Aussterbemuster« anders. Wir schließen daraus, dass der Mensch ganz unmittelbar hinter der aktuellen Entwicklung steckt: Die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass heute vor allem die großen Arten bedroht sind und nicht die kleineren, ist schlicht und einfach die Überfischung.

DER MENSCH STECKT HINTER DEN PROBLEMEN

Bringt der Mensch durch Überfischung die größeren Tierarten zum Verschwinden, dürfte das über Jahrmillionen hinweg schwerwiegende Konsequenzen haben. Selbst wenn rein zahlenmäßig weniger Arten verloren gehen als bei den Massenaussterben früherer Zeiten. Schließlich sind die großen Arten zentrale Mitspieler in den Ökosystemen. So formen sie als »TopRäuber« Nahrungsnetze. Wo beispielsweise Haie fehlen, geht die Artenvielfalt insgesamt zurück. Große Arten sind auch sehr effizient darin, Nährstoffe – etwa über Fäkalien – in der Wassersäule zu verteilen. So sind sie ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, wo Tiere und Pflanzen gedeihen können und wo nicht. Immerhin habe die Erkenntnis, dass heute der Mensch durch die Fischerei hinter den Problemen stecke, etwas Gutes, urteilt Jonathan Payne: »Wenn bereits der Klimawandel hinter dem Muster stecken würde, die Meeresversauerung und das Anwachsen sauerstoffloser Zonen, dann ließe sich das nur schwer umkehren. Denn selbst wenn wir jetzt in diesem Moment aufhörten, Kohlendioxid zu emittieren, die Folgen werden uns über Tausende oder Zehntausende Jahre hinweg begleiten. Biologische Populationen hingegen erholen sich sehr schnell, wenn man sie lässt.« Und weil die großen Arten erst vom Aussterben bedroht sind und noch nicht verschwunden, wäre schon viel gewonnen, wenn man die Überfischung stoppte. Damit hängt auch in diesem Punkt derzeit die Frage nach der Zukunft der Meere vor allem von der Vernunft der Menschheit ab.

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WINTERPAUSE

Die erhöhte Deichstrecke endet gut hundert Meter vor dem Übergang des Dorfgrodendeichs in den Ostgrodendeich. Warum? Die Bauarbeiten zur Erhöhung und Verstärkung des Dorfgrodendeichs auf Wangerooge sind Mitte November 2016 erst einmal zum Abschluss gekommen. Der zeitweise gesperrte Deichkronenweg wird wieder durchgehend begehbar und befahrbar sein.

»Die Sturmflutsicherheit ist bei der kürzlich abgehaltenen Deichschau festgestellt worden«, teilt der Auftraggeber, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), auf Nachfrage mit. Ende April hatten die Arbeiten am Deich der Insel begonnen. Der rund ein Kilometer lange Abschnitt vom Deichschart für die Inselbahn bis zur Richthofenstraße sollte bis zum Herbst fertigstellt worden sein, hatte Frank Thorenz als Leiter der zuständigen Betriebsstelle Norden-Norderney im Frühjahr zugesagt. Nach aktuellen Angaben des NLWKN hat die bauausführende Firma die vertragsgemäße Bauleistung erbracht. Die erhöhte Deichstrecke endet jedoch gut hundert Meter vor der Richthofenstraße beziehungsweise vor dem Übergang des Dorfgrodendeiches in den Ostgrodendeich. Dieser Widerspruch war nicht aufzuklären.

Der neue Deich biete nun deutlich mehr Sicherheit, da er eine 1,50 Meter mächtige Kleiabdeckung erhalten habe und damit besser den Fluten standhalten könne als der Vorgänger. Die Neubaustrecke hat zudem ein massives Fußdeckwerk aus Wasserbausteinen erhalten. »So ist er gegen den straken Wellenangriff bei Sturmfluten gewappnet«, sagt Frank Thorenz. In den Vorjahren waren bereits der östliche Teil der Deichstrecke sowie das in der Deichlinie liegende Deichschart und das Schöpfwerk neu gebaut worden. Für die Deichverstärkung wurden insgesamt 40 000 Kubikmeter Klei und 6000 Tonnen Schüttsteine auf die Insel gebracht. Das wertvolle Deichbaumaterial ist auf Wangerooge – wie auf allen ostfriesischen Inseln – in dieser Qualität nicht zu finden. Deshalb musste der Klei per Schiff übers Wattenmeer zur Insel gebracht werden. Glücklicherweise fiel der Bau eines Hochwasser-Entlastungs

polders für die Harle bei Wittmund mit dem Deichbau auf der Insel zusammen. So konnte »grenzüberschreitende« Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Blanken Hans in die Tat umgesetzt werden. Das Material war in Harlesiel auf Pontons umgeschlagen und bei Hochwasser an die Telegraphenbalje gebracht worden. Dort wurde es entladen und auf einem durch das Watt laufenden, knapp zwei Kilometer langen Sanddamm mit geländegängigen Fahrzeugen zur Einbaustelle transportiert. Diese »Wattstraße« wurde jetzt zurückgebaut, weil winterliche Sturmfluten das Baumaterial unkontrolliert im Nationalpark verteilt hätten. Die Arbeiten am Deich werden in den kommenden zwei Jahren fortgesetzt, teilte der NLWKN mit. Für den Baustart im nächsten Frühjahr liegen schon Schüttsteine und Klei nahe der Baustelle bereit.

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TEXT: THEO KRUSE / FOTO: EVELYN GENUIT

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DER TORTENKÜNSTLER

Er geht stramm auf die Fünfzig zu. Eddy Roberg kennt Wangerooge erst seit eineinhalb Jahren. »Da will ich so schnell nicht wieder weg«, sagt der Westfale, der in Everswinkel geboren ist, wo sein Vater eine Molkerei besaß. Mit seinem alten Job war der Konditormeister nicht so glücklich. »Das war mir zu stressig in Altenberge, das war kein Leben mehr.« Beim Arbeitsamt gab’s einige Stellenangebote. Beim Cafe Pudding hat er sofort angebissen. Roberg lächelt: »Es ging alles ganz schnell. Und im März 2015 habe ich diesen wundervollen Job angetreten. Seitdem geht es mir auch gesundheitlich viel besser, die Seeluft tut mir gut.« Auch Diana Folkerts, Chefin vom Kuchenladen, lobt den großen, stämmigen Mann: »Wir sind sehr froh, dass wir mit Eddy Roberg einen geeigneten Nachfolger für unseren Ex-Konditor gefunden haben.«

2016-12-26_164627Während Bäcker Arnold Boes bereits um halb Zwei aufstehen muss und für Brötchen, Kleingebäck und die leckeren Wattwürmer zuständig ist, geht Eddy erst später »so zwischen vier und fünf« an seine Arbeit. »Da kommen wir uns nicht ins Gehege.« Für Cafe Pudding und Kuchenladen fabriziert er maximal 30 verschiedene Torten pro Tag. Bleibt denn da noch Zeit für ihre Hobbies? Während Arnold Boes ein eingefleischter Fußballfan ist und gerne liest, hat sich Eddy Roberg der Musik verschrieben. »Früher habe ich in namhaften Chören gesungen. « Der richtige Mann für den Wangerooger Gospelchor Vocal Waves? Der sucht nämlich noch einen stimmgewaltigen Tenor … TEXT: MANFRED OSENBERG FOTOS: EVELYN GENUIT Zitronencreme

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DAS GOLD DES MEERES

Die Nordseekrabbe ist ein wunderliches Tier – und zurzeit auch ein besonders teures. Wie kann es sein, dass das Fleisch von winzigen Garnelen teurer ist als Rinderfilet? Einigen Gastwirten auf Wangerooge sind die Krabben zu teuer, haben die »Delikatessen« von der Speisekarte gestrichen, aber im Strandläufer, im Pudding und im Friesenjung zum Beispiel gehören sie zum Angebot wie frischer Fisch.

Sagen wir es ruhig ganz offen: Im Prinzip ist die Krabbe ein armes Schwein. Sie ist nicht hübsch. Sie wird nicht alt. Sie steht in der Nahrungskette ziemlich weit unten. Sie lebt anspruchslos, aber keiner dankt es ihr. Früher nannte man sie Unkraut der Meere. Nicht totzukriegen. Dachte man jedenfalls. Die Krabbe selbst denkt, soweit wir wissen, eher wenig. Ihre Tage und Nächte verbringt sie mit Fressen und Fortpflanzung. Wenn man sie denn lässt. Aber man lässt sie ja nicht. Andauernd will einer was. Entweder der hinterhältige Wittling, ein gefräßiger Dorsch, oder der mitunter ebenso hinterhältige und gefräßige Mensch. Letzterer kündigt sich wenigstens mit einem gewissen Gerumpel an. Kommt mit dem Kutter ins Wattenmeer und zieht seine Netze dicht über den Meeresboden. Himmelherrgott noch mal, denkt die Krabbe (sofern sie denken kann und gläubig ist), kann man nicht mal ein Jahr lang seine Ruhe haben?

Dann hüpft die Krabbe ein Stückchen hoch, was wirklich kein Zeichen großer Schlauheit ist, und wird gefangen. Schon bald geht es ans Sterben. Ist die Krabbe einmal an Bord des Kutters von Uwe Abken, endet ihr viel zu kurzes Leben binnen Sekunden. Ein Bad in kochendem Wasser, Hitzeschock, Exitus, was an der Krabbe je gerade war, krümmt sich nun. Das vormals graue Tier wird rosa, dann geht es mit dem Kutter an Land und wenig später sogar nach Marokko – als Pauschalreise im Kühltransport. Kopf ab, Panzer ab, Darm weg. Und wieder retour nach Hause. Wenn die Krabbe post mortem ein Riesenglück hat, findet sie nah der Heimat ihre letzte Ruhe: in einem himmlisch frischen Brötchen mit lecker Remoulade für sechs Euro.

Die meisten Krabben allerdings verbringen ihre allerletzten Stunden im Zwischenreich von Himmel und Hölle – im Kühlregal des Discounters: Der verlangt für 100 Gramm Krabbenfleisch, konserviert in Benzoesäure, zurzeit 4,79 Euro. Warum ist die Krabbe so unglaublich teuer? Wie kann es sein, dass ihr Fleisch dieser Tage mehr kostet als ein Rinderfilet? In Oldenburg sitzen Fachleute in einem nüchternen Besprechungsraum der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und versuchen, diese ganz besondere Beziehung zwischen Mensch und Krabbe zu erklären. »Bei Krabben irgendwas vorherzusagen ist heikel«, sagt Philipp Oberdörffer, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer. »Sobald man glaubt, irgendwas zu wissen, wird man widerlegt.«

Der Herr neben ihm nickt bedächtig. Kapitän und Verbandsfunktionär Günter Klever sieht aus, wie man sich einen alten Seebären vorstellt: Bart, Bauch, Tätowierung. »Man weiß bei der Krabbe nie, woran man ist«, sagt Klever, »mal ist sie weg, und plötzlich ist sie wieder da.« Uwe Abken erweist dem komplizierten Kleintier seinen Respekt, seit 29 Jahren. Auch an diesem Morgen ist der Krabbenfischer um 3.30 Uhr aufgestanden und gemeinsam mit seinem Helfer Thilo von Esens nach Neuharlingersiel gefahren. Dort liegt sein blauer Kutter, die »Polaris«, mit der er bei Langeoog nach Beute sucht. »Der Jagdinstinkt lässt einen nie mehr los«, sagt Abken. Sieben Mal wird er in den nächsten Stunden die für Krabbenkutter charakteristischen Netze, Baumkurren genannt, ins Wasser lassen, und sie mit drei Knoten über den flachen, sandigen Boden des Wattenmeeres ziehen. Uwe Abken hat erlebt, wie aus der Massenware Nordseegarnele eine Delikatesse wurde. Und ein Millionenmarkt, der heute fest in niederländischer und deutscher Hand ist.

Von den bis zu 35.000 Tonnen, die in Europa pro Jahr mit etwa 500 Schiffen gefangen werden, schaffen die Niederländer etwa 15.000 bis 16.000 Tonnen aus dem Meer. Deutschland folgt mit 11.000 bis 13.000 Tonnen vor Dänemark. Einem Fischer bleiben nach Abzug aller Kosten pro Monat 2.500 bis 3.000 Euro zum Leben. Die Jagd nach den Minigarnelen ist also kein ganz schlechtes Geschäft – jedenfalls wenn es genug von ihnen gibt. Gerade gibt es nur wenige. Falsche Jahreszeit. Die meisten Krabben gehen im Spätherbst ins Netz, aber wie viele es in diesem Spätherbst sein werden, ist noch nicht abzusehen. Und genauso volatil wie die Fangmengen sind die Preise. Uwe Abkens Genossenschaftskollege Dirk Sander erinnert sich: »In den 50er Jahren wurden die Krabben tonnenweise zu Hühnerfutter verarbeitet, weil man die Massen weder lagern noch verarbeiten konnte.« Damals durften die Krabben auch noch von deutschen Heimarbeiterinnen gepult werden. Sie (die Krabben) dufteten nach Meer und Wind und Salz und Wellen, nach harter, ursprünglicher Arbeit, nach der Verheißung einer Mahlzeit mit Schwarzbrot, Rührei und Bratkartoffeln.

Die Frauen nahmen Tier für Tier in die Hand, bogen es gerade, drehten mit einer kurzen Bewegung den Schwanz am dritten Wirbel des Rückenpanzers und trennten den Darm vom Rest. Dann noch eine schnelle Bewegung weiter vorn, Kopf weg, Gekröse weg, und sie hielten ein Stummelchen Fleisch in der Hand. Hellrosa und köstlich. Dann kam Europa, kamen Vorschriften. Frauen, die unreguliert mit Därmen hantierten, waren Hygienefachleuten suspekt. So durfte nur noch in voll gekachelten Räumen gepult werden, in Schutzkleidung und mit viel Wasser drum herum. Das machte die Arbeit unrentabel. Es schlug die Stunde der Niederländer. Zwei Firmen entdeckten eine Marktlücke: Sie fuhren mit Lastwagen die deutsche Nordseeküste ab und boten den Fischern etwas an, das zunächst wunderbar klang: Wir holen eure Krabben ab, wir kümmern uns ums Pulen und auch um die Vermarktung. Ihr bekommt das Geld. Bequem, so ein Rundum-sorglos-Paket. Bedankt! So wurden zwei niederländische Unternehmen zu den großen Playern der Krabbenindustrie: Heiploeg und – keine Witze mit Namen, bitte! – Puul. »Das hat der Holländer schon gut gemacht damals« , sagt Dirk Sander von der Erzeugergemeinschaft. »Wir haben das Geschäft nicht gesehen. Hätten wir sonst selbst gemacht.«

Uwe Abken steuert seinen Kutter behutsam an die Hafenmole von Neuharlingersiel. Zehn Stunden war er draußen. Der Wind hatte zuletzt mit sieben Windstärken geblasen, kein Spaß, nicht mal im relativ flachen Wattenmeer. Mit einem einfachen Kran entlädt Abken den Kühlraum seines Kutters: elf weiße Kunststoffkisten sind bis zum Rand mit frischer Ware gefüllt – 170 Kilo insgesamt. »Für die Jahreszeit nicht schlecht« , sagt Abken. Dann verkauft er direkt vom Kutter ein paar Kilo an Touristen, der Rest wird mit dem Lkw zur Genossenschaft gefahren. Seit die Krabbenfischer sich organisiert haben und den Fang gemeinsam vorsortieren, erzielen sie bei den Niederländern bessere Preise. Früher war es so: Wunderten sich die Ostfriesen über niedrige Preise, sagten die Großhändler: Die in Schleswig-Holstein fangen gerade so viel! Wunderten sich die Nordfriesen, sagten die Großhändler: Die Ostfriesen fangen gerade so viel. Nun haben die Fischer mehr Kontrolle. Nach wenigen Kilometern hat der Lastwagen mit Uwe Abkens Fang die Sortieranlage der Genossenschaft in Neuharlingersiel erreicht. Ein Arbeiter entleert die Kisten in einen großen Trichter. Ein Förderband transportiert die Krabben auf eine Straße aus sich bewegenden Sieben. Krabben für den menschlichen Konsum dürfen nicht kleiner sein als 6,5 Millimeter Panzerbreite. Zu mickrige Tiere fallen in einen großen Bottich und enden als Fischmehl.

Tiere zwischen 6,8 Millimeter und 8,5 Millimeter werden mit einer Salzlösung besprüht und in unterschiedliche Größenklassen eingeteilt. Nur die dicksten landen später ungepult in der Gastronomie. Die allermeisten aber werden jetzt nach Marokko geschickt. Die Logistik funktioniert perfekt: Ein Kühllaster mit ungepulter Ware fährt mehr als 2.500 Kilometer über Holland durch Frankreich und Spanien bis Gibraltar. Dort trifft zeitgleich ein Sattelzug mit gepulter Ware aus Marokko ein. Die Fahrer tauschen die Aufleger und fahren in ihre Heimatländer zurück. So hat fast jede in Deutschland gefangene Krabbe eine Autobahnfahrt von mehr als 5.000 Kilometern hinter sich, bevor sie in den Handel kommt. Dort aber bezahlen Verbraucher trotz günstiger marokkanischer Arbeitskräfte zurzeit besagte Höchstpreise. Das liegt nicht nur daran, dass es im Sommer stets weniger Krabben gibt als später im Jahr. Es ist eine längere Geschichte, deren Anfänge zurückreichen bis in den Herbst 2014. Damals hatten die Krabbenfischer eine exorbitant gute Zeit, allein die Niederländer fingen fast 20.000 Tonnen. Die Lagerbestände waren riesig, der Handel senkte die Preise und kurbelte die Nachfrage an. Wenig später sagte sich die launische Krabbe: Ich ziehe mich mal zurück. Das Frühjahr 2015: schlecht. Der Herbst 2015: mäßig. Das Frühjahr 2016: mau. Die einmal angekurbelte Nachfrage blieb hoch, das Angebot konnte nicht mithalten. Der Preis schoss in die Höhe. In den vergangenen Wochen bekamen die Fischer pro Kilo Krabben bis zu zwölf Euro vom Großhändler – ein historischer Höchststand. Um ein Kilo reines Fleisch zu erzeugen, braucht man aber drei Kilo Krabben. Macht 36 Euro pro Kilo Fleisch. Die ersten Verarbeitungsschritte, wiegen, sieben und konservieren, kosten einen Euro pro Kilo, das Schälen und der Transport weitere sechs bis acht Euro.

kartoffeln-krabben»Eigentlich müsste das Kilo Krabbenfleisch im Handel rund 60 Euro kosten«, rechnet Experte Philipp Oberdörffer vor. Zu teuer für die großen Discounter. Sie subventionieren die Krabben, um die Kunden nicht zu vergraulen. Den Verlust dürften sich die großen Ketten dann im Herbst wieder zurückholen, wenn die Einkaufspreise niedriger sind. Ehe das Mitleid zu groß wird: Ein Teil der Misere ist hausgemacht. Die Krabbe gehört zu den wenigen Meerestieren, die unbegrenzt gefangen werden dürfen. Und in den vergangenen Jahren sind die Krabbenfischer etwas zu sorglos mit den Beständen umgegangen. Wissenschaftler sehen eindeutige Anzeichen für eine Wachstumsüberfischung. Das heißt: Zu viele Garnelen werden gefangen, bevor sie eine optimale Größe erreicht haben. Die Maße der gefischten Krabben sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich kleiner geworden. Inzwischen haben die Fischer begonnen, die Maschenweiten ihrer Netze zu vergrößern, damit mehr Jungtiere entkommen können. Früher betrug die Maschenweite 20 Millimeter, jetzt sind es 22. »Optimal wären 26 Millimeter, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg«, sagt Wissenschaftler Gerd Kraus vom Hamburger Thünen-Institut für Seefischerei. Immerhin, auch auf Druck der großen Handelsketten wollen sich europaweit gerade 400 Kutter für das Fischsiegel MSC zertifizieren lassen. Wie nachhaltig die Krabbenfängerei derzeit ist, wird noch geprüft. Uwe Abken jedenfalls wird bald wieder in aller Herrgottsfrühe den Dieselmotor seiner »Polaris« anwerfen und raus aufs Wattenmeer fahren. In sechs Jahren ist er 60, einen Nachfolger hat er noch nicht. Eilt auch nicht. »Ich lebe als Krabbenfischer nach Lust und Laune. Das macht den Beruf ja so schön.« Sieht die Nordseegarnele vermutlich anders. Falls sie überhaupt etwas sieht. TEXT: TOBIAS SCHMITZ Dieser Artikel erschien zuerst am 4. August 2016 in der Ausgabe 32/2016 im Magazin »stern«, Verlag Gruner + Jahr gmbH »

Kartoffel mit Krabben im Friesenjung. FOTO: MANFRED OSENBERG

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WATT IS DATT IM WATT?

Deichbau auf Wangerooge ist besonders aufwändig und teuer. Aber die Sicherheit hat erste Priorität.
Auf allen Wangerooger Baustellen herrscht in der Hauptsaison Betriebsruhe, damit sich die Urlauber nicht durch Baulärm gestört fühlen. Auf allen Baustellen? Nein – am Dorfgrodendeich wird gerade während des Sommers rund um die Uhr gearbeitet. Und das aus gutem Grund: Wenn die Herbst- und Wintersturmfluten das Eiland bedrohen, darf nicht mehr gearbeitet werden. Deshalb wird diese Ausnahme erlaubt, ist sogar dringend geboten. Ziel ist es, die Baustelle rechtzeitig zur unwirtlichen Jahreszeit winterfest zu bekommen. Für einige Wohnungsinhaber der Ferienwohnanlage »Lagune am Wattenmeer« bedeutet der Deichbau ein Ende des gewohnten freien Blickes aufs Wattenmeer und zum Anleger: In den Erdgeschosswohnungen ist es kaum möglich, über den erhöhten Deich zu schauen. »Aber Küstenschutz hat nun einmal oberste Priorität«, sagt ein Zweitwohnungsinhaber. Das sehen zum Glück auch die meisten Gäste so. Und wer den unverbauten Blick genießen will, mietet eine der oberen Wohnungen oder setzt sich ganz einfach auf dem Deich. Dramatische Rückgänge bei den Vermietungen wurden jedenfalls bisher nicht bekannt.

Der Transport des für die Deicherhöhung benötigtem Kleis ist eine besondere, logistische Herausforderung. Davon können sich Beobachter überzeugen, wenn sie die Bauarbeiten einmal einige Tage aufmerksam verfolgen. Bei Hochwasser steuert das niederländische Spezialschiff »Diablo« mit einer Ladung von rund 300 Kubikmetern Klei vom Hafen Harlesiel aus den nördlichen Rand des Wattfahrwassers Telegraphenbalje südlich von Wangerooge an. Dort lässt es sich bei Ebbe trockenfallen. Über eine mit gelben Stangen gekennzeichnete »Straße« fahren dann während des Niedrigwassers die Kleitransporter, geländegängige Lastwagen, auf die das Deichbaumaterial umgeschlagen werden muss und transportierten es zur Baustelle auf der Insel. Mit Baggern wird der fette Klei verteilt, mit Hilfe schwerer Raupenfahrzeuge planiert und dabei verdichtet. Der neue Deich – der einen Sandkern aufweist – erhält eine Kleiabdeckung von 1,50 Meter Stärke auf der Seeseite und einem Meter auf der Binnenseite. Der alte Deich wies eine viel zu dünne Kleischicht auf und war außerdem zu niedrig, erläuterte Frank Thorenz, Leiter der Betriebsstelle Norden des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Für Projektleiter Theo van Hoorn ist denn auch der Kleitransport eine große logistische Herausforderung. Alle Transportwege
müssen genau abgestimmt sein. Der Klei wird aus Wittmund nach Harlesiel gefahren. In Wittmund wird derzeit ein  Entlastungspolder gebaut, bei dessen Bau dieses Erdreich anfällt. Auf diesem Wege kommt der NLWKN als Auftraggeber relativ kostengünstig an das wertvolle Deichbaumaterial. 40.000 Kubikmeter werden für die rund 1,3 Kilometer lange Baustrecke vom Inselbahn-Deichschart bis zum Ende des Dorfgrodendeiches Höhe Richthofenstraße (Reithalle) benötigt.
Das sind mehr als 130 Schiffsladungen! Wenn man bedenkt, dass Wind und Wetter den Transportplan durcheinander wirbeln, wird deutlich, wie ehrgeizig der Zeitplan der Deichbauer ist. Mehrmals erschwerten erhöhte Wasserstände oder leichte Windfluten die Arbeiten. Überhaupt bestimmt der Tidekalender/ die Arbeitszeiten der Deicharbeiter, denn frischer Klei kommt jeden Tag zu einer anderen Tageszeit: Im Takt von Ebbe und Flut.

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TEXT: THEO KRUSE / FOTO: EVELYN GENUIT

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WER WIRD MISS WANGEROOGE?

Letzter Mittwoch im Juli 2016. Mit dem Flieger kommt die MOIN auf die Insel. Und am Abend wird wieder die Miss Wangerooge gekürt. Wer wird es diesmal sein, die auf dem Laufsteg vor dem »Pudding« von den vielen Besuchern gefeiert wird?

ie Jury wird entscheiden, wer in diesem Sommer die Krone erhalten wird. In der Jury sitzt die amtierende Miss Germany Lena Bröder, die noch kürzlich – als erste Miss Germany überhaupt – eine Audienz beim Papst in Rom bekam. »Es war überwältigend«, betonte die katholische Releigionslehrerin. Papstbesuch, Fernsehshows, Talkrunden. Jetzt Wangerooge. Horst Klemmer macht es möglich. Der Oldenburger, der in der Tangastraße seit Jahrzehnten sein Büro hat und auf Wangerooge direkt am Meer in seiner Ferienwohnung die Kontakte zu prominenten Leuten aus dem Showgeschäft spielen lässt, kennt sich aus auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Die MOIN traf den Tausendsassa, der im Dezember seinen 80. Geburtstag feiern wird, auf der Wangerooger Strandpromenade und fragte ihn: Was ist eigentlich Schönheit? »Sicherlich gibt es auf der Welt keinen Menschen, der von sich aus behaupten kann, er findet zu 100 Prozent die schönste Frau der Welt. Schönheit ist Ansichtssache – der eine mag blonde, der andere schwarze Haare, der eine blaue, der nächste braune Augen, der eine 1,75 m und der andere 1,60 m große Frauen. So kann jeder von sich selbst aus beurteilen, was er schön findet.«

Hübsche Menschen haben im Alltag – so sagen Experten – wesentliche Vorteile. Studien belegen, dass schöne Menschen im Leben tatsächlich davon profitieren. Wichtig ist, dass man sich in seinem Körper wohl fühlt, positiv denkt und zufrieden ist. So werden die sicherlich vorhandenen Stresshormone abgebaut. Schöne Menschen profitieren von positiven Vorurteilen. Sie werden für kompetenter, erfolgreicher, intelligenter, sympathischer, selbstsicherer, geselliger, fleißi ger und leidenschaftlicher gehalten. Die Psychologin Rita Friedmann von der amerikanischen Attraktivitätsforschung kommt zu dem Schluss, dass sich der »Zauber der Schönheit« durch das ganze Leben zieht: vom Kindergarten über die Schule bis hin zum Berufsleben.

Interessant ist ein durchgeführter Vergleich der VIP-Gesichter für die Werbung. So gelang es zum Beispiel der blonden Miss Germany Isabell Gülck, die vor vier Jahren auf Wangerooge nicht nur den Männern am Meer den Kopf verdrehte, bei einer Großumfrage auf einem sensationellen vierten Platz zu landen, knapp hinter Jette Joop, Nazan Eckes und Heidi Klum. Die sympathische Isabell platzierte sich somit vor Michelle Hunziker, Birgit Schrowange, Nicole Kidman und Carla Bruni. Klemmer dazu: »Die Siegerinnen von GNTM waren hier nicht im Ranking. Das bedeutet, dass die Marke »Miss Germany« anerkannt und von der Wirtschaft hoch eingestuft wird. Vor allem bei Mode und Kosmetik.« Nicht verwunderlich, dass attraktive Personen von ihrer Schönheit profitieren. Ein wichtiger Punkt auf der Bühne ist u.a. die Körpersprache.

Choreograph Jens Dolecki sagt immer: »Spannung in den Körper, dann kommt man über die Rampe«. Horst Klemmer zum Wahlvorgang bei einer Miss-Wahl: »Wir schreiben unserer Jury nicht vor, wie zu wählen ist, sondern überlassen diese Entscheidung jedem Jurymitglied selbst. Die Damen haben die Gelegenheit, mit Witz, Charme und Schlagfertigkeit zu punkten und sich dem Publikum stilvoll in Mode zu präsentieren.«

PERSÖNLICHKEIT

Wichtig ist, dass die Persönlichkeit herausgestellt wird und ein sicheres Auftreten zu erkennen ist. Sicherlich gilt die These: »Lange Beine machen noch keine Miss aus«. Eine Miss Germany hat aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads (98,7% der Deutschen kennen die Marke »Miss Germany«) eine Vorbildfunktion. Klemmer betont, dass es sich lohnt, Miss Germany oder Mister Germany zu werden und bei der in Oldenburg sitzenden Miss Germany Corporation mitzumachen. »Wir werden auch weiterhin gerne »Steigbügelhalter« für den Einstieg ins Showbusiness für junge Menschen sein. Unsere Damen streben meistens eine Karriere als Moderatorin, Schauspielerin oder Werbeträgerin an. Anne Julia Hagen, die als Miss Germany 2010 nach Wangerooge kam, war ein sehr gefragtes Model. Sie wurde u.a. für Zalando, Pril, Elite Partners oder Kanada Airline gebucht. Anne-Kathrin Kosch, Miss Germany 2011 und auf Wangerooge von vielen Fans umlagert, wurde Moderatorin bei pearl.tv. Miss Germany 2012 Isabel Gülck strebte eine Karriere als Sängerin und Moderatorin an. Klemmer: »Wir unterstützen alle beim Auf- und Ausbau ihrer Karriere.« Ja, jeder Mensch braucht Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Man möchte sich aus der Masse hervorheben und etwas Besonderes sein. Dies ist sicherlich eine Devise, nach der viele junge Menschen – besonders die Damen – streben.

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TEXT: MAO / FOTOS: KURT KEIL UND KLAUS SCHULTES

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MARIA UND DIE VILLA KUNTERBUNT

Sie gehört zu den Insel-Frauen, die aus dem richtigen Holz geschnitzt und in verschiedenen »Rollen« erfolgreich sind. Maria Jonas hat schon in »ihrer« wunderschönen Villa Kunterbunt einiges bewegt und singt mit Begeisterung im Wangerooger Gospelchor »Vocal Waves«.

ur schade«, gibt Maria Jonas offen zu, »dass ich keine Zeit mehr habe, mit meinen Freundinnen der Wangoo Diptams für Wangerooge zu trommeln.« Stimmt! Bis vor zwei Jahren war sie noch immer dabei, wenn am Donnerstag im Proberaum an der Strandpromenade geübt und an anderen Tagen öffentlich getrommelt wurde. Doch aus beruflichen Gründen hat sie die Wangoo Diptams verlassen müssen. Der geliebte Beruf hat Vorrang. Die Neugestaltung des Außengeländes der Villa Kunterbunt forderte die vielseitige Einrichtungsleiterin heraus. »Wir sind ständig dabei, Schritt für Schritt zu erneuern«, erklärte Maria Jonas.

Kürzlich wurde das schmucke Außengelände auf Wangerooge (gegenüber von Sport- und Golfplatz) mit einer großen Grillfete eingeweiht. Rund eine halbe Million Euro hat der Landesverband Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes investiert. Zur Einweihung reiste Landesgeschäftsführer Bernd Schmitz an. Statt mit dem Flieger kamen auch DRK-Präsident Dieter Holzapfel und Vizepräsidentin Meike Müller mit der Fähre auf die Insel. Der Nebel … Seit 2009 betreibt der DRK-Landesverband das Mutter-/Vater-Kind-Kurheim auf Wangerooge. Zunächst als Pächter der Kurverwaltung Wangerooge, im Sommer 2014 kaufte das DRK das Gebäude.

»Das war definitiv die richtige Entscheidung«, sagte Holzapfel. Seitdem sei der DRK-Landesverband stets bemüht, die Einrichtung zu modernisieren. So wurden im vergangenen Jahr der
Speisesaal erneuert und die Außenfassade saniert. Nun hat Landschaftsarchitekt Hajo Flemmig die Außenanlage neu gestaltet: Verändert wurde der äußere Eingangsbereich, in dem jetzt Bänke stehen, und der Spielbereich. »Wir haben einen abgetrennten Bereich für Kleinkinder eingerichtet«, berichtete Flemmig. Auch die Betonpiste, die zum Gebäude führt, und die Terrasse hinter dem Wintergarten wurden saniert. Maria Jonas ist froh darüber, dass die Einrichtung gut angenommen wird. Bis November ist die Villa Kunterbunt sehr gut ausgelastet. Allein 2015 waren 491 Mütter, 60 Väter und 947 Kinder dort zur Kur. »Wir werden die Zahlen sicher aufrunden – also auf 1000 Kinder«, scherzte der DRK-Präsident Holzapfel.

Villa-Kunterbunt

 

FOTOS: ANTJE POLLEX

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