CHARLY, MAIKE UND VILLA MARIECHEN

Der Flaggenmast vor der »Villa Mariechen«, dem »Inselhuus« in der Rösingstraße 10 signalisiert, aus welchem Bundesland die Gäste in der Ferienwohnung im ersten Stock kommen. Die liebevolle Bepflanzung rund um das Haus und die Terrasse sowie die stilvolle Einrichtung strahlen pure Behaglichkeit und Willkommenskultur aus.

Da ist es auch kein Wunder, dass Maike und Volker »Charly« Langhoop ein Spiegelbild ihres sympathischen Heims sind.
Ebenso wenig verwunderlich ist es, dass sich das ältere Ehepaar (75 und 78 Jahre) über mangelnden Zuspruch der Feriengäste nicht beklagen kann. »Und wenn wir einmal keine Gäste haben, ist das auch nicht so schlimm«, verweist der freundliche Gastgeber auf die reifen Jahrgänge seiner Maike, einer Schneidermeisterin und seiner selbst. Allerdings sind beide noch sehr rüstig, unternehmen ausgedehnte Radtouren und sehen sich auf dem Festland auch mal gern andere Länder an. So wie kürzlich, als Maike und Volker Belgiens Hauptstadt Brüssel besucht hatten, dann aber wieder für ihre Besucher da waren.
»Der größte Teil unserer Urlauber sind Stammgäste, meist aus Nordrhein-Westfalen, aber auch aus anderen Bundesländern
und der Schweiz oder aus Frankreich «, verrät »Charly«, von dem kaum jemand weiß, dass er vor 75 Jahren mal als Volker  Langhoop getauft worden ist. »Ich wurde schon in der Schule so genannt«, weiß »Charly« selbst nicht mehr so genau, weshalb er diesen Namen hat. Der liebenswürdige alte Herr gehört noch zu den waschechten Insulanern, was heißt, dass er – was heute nicht mehr möglich ist, weil alle Wangerooger Kinder nur noch auf dem Festland zur Welt kommen – auf seiner Insel geboren ist. »Wir Insulaner sind eine aussterbende Rasse«, meint »Charly« mit Galgenhumor.

SCHMUCKSTÜCK IN DER RÖSINGSTRASSE
Er hat übrigens mal das Maurerhandwerk erlernt und kann also mit Fug und Recht sagen, dass er das Schmuckstück in der  Rösingstraße mit eigenen Händen gebaut hat. »Villa Mariechen«, das ist eine Erinnerung an Charlys Mutter und seine Eltern, die das 1972 erbaute Haus zunächst bewohnt hatten. Wer auf einer Insel zuhause ist, der hat meist nicht nur mehrere Berufe, sondern ist  auch Mitglied in mehreren Vereinen, und so war »Charly« auch Sänger im beliebten Shanty-Chor »De Wangeroogers«, deren Konzerte stets vor vollem Haus stattfanden, die etliche CDs herausgebracht und zahllose
Gäste mit ihrem markigen Gesang erfreut haben. »Mangels Masse« mussten sie ihren »Gesangsbetrieb« einstellen. Doch  einige von ihnen, unter ihnen auch Charly treffen sich immer noch regelmäßig an verschiedenen Orten, klönen und lassen dann natürlich auch ihre Stimmen erschallen. Bisweilen allerdings auf Beerdigungen, wenn es wieder einen »Insulaner« weniger gibt oder ein anderes Mitglied der Dorfgemeinschaft die schöne Insel verlassen hat. Doch meistens sind die Anlässe fröhlicher, was auch dem heiteren Naturell der fröhlichen (Ex-) Sänger entspricht.
TEXT: FRIEDEMANN BRÄUER
FOTOVilla Mariechen: EVELYN GENUIT

 

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