WINTERPAUSE

Die erhöhte Deichstrecke endet gut hundert Meter vor dem Übergang des Dorfgrodendeichs in den Ostgrodendeich. Warum? Die Bauarbeiten zur Erhöhung und Verstärkung des Dorfgrodendeichs auf Wangerooge sind Mitte November 2016 erst einmal zum Abschluss gekommen. Der zeitweise gesperrte Deichkronenweg wird wieder durchgehend begehbar und befahrbar sein.

»Die Sturmflutsicherheit ist bei der kürzlich abgehaltenen Deichschau festgestellt worden«, teilt der Auftraggeber, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), auf Nachfrage mit. Ende April hatten die Arbeiten am Deich der Insel begonnen. Der rund ein Kilometer lange Abschnitt vom Deichschart für die Inselbahn bis zur Richthofenstraße sollte bis zum Herbst fertigstellt worden sein, hatte Frank Thorenz als Leiter der zuständigen Betriebsstelle Norden-Norderney im Frühjahr zugesagt. Nach aktuellen Angaben des NLWKN hat die bauausführende Firma die vertragsgemäße Bauleistung erbracht. Die erhöhte Deichstrecke endet jedoch gut hundert Meter vor der Richthofenstraße beziehungsweise vor dem Übergang des Dorfgrodendeiches in den Ostgrodendeich. Dieser Widerspruch war nicht aufzuklären.

Der neue Deich biete nun deutlich mehr Sicherheit, da er eine 1,50 Meter mächtige Kleiabdeckung erhalten habe und damit besser den Fluten standhalten könne als der Vorgänger. Die Neubaustrecke hat zudem ein massives Fußdeckwerk aus Wasserbausteinen erhalten. »So ist er gegen den straken Wellenangriff bei Sturmfluten gewappnet«, sagt Frank Thorenz. In den Vorjahren waren bereits der östliche Teil der Deichstrecke sowie das in der Deichlinie liegende Deichschart und das Schöpfwerk neu gebaut worden. Für die Deichverstärkung wurden insgesamt 40 000 Kubikmeter Klei und 6000 Tonnen Schüttsteine auf die Insel gebracht. Das wertvolle Deichbaumaterial ist auf Wangerooge – wie auf allen ostfriesischen Inseln – in dieser Qualität nicht zu finden. Deshalb musste der Klei per Schiff übers Wattenmeer zur Insel gebracht werden. Glücklicherweise fiel der Bau eines Hochwasser-Entlastungs

polders für die Harle bei Wittmund mit dem Deichbau auf der Insel zusammen. So konnte »grenzüberschreitende« Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Blanken Hans in die Tat umgesetzt werden. Das Material war in Harlesiel auf Pontons umgeschlagen und bei Hochwasser an die Telegraphenbalje gebracht worden. Dort wurde es entladen und auf einem durch das Watt laufenden, knapp zwei Kilometer langen Sanddamm mit geländegängigen Fahrzeugen zur Einbaustelle transportiert. Diese »Wattstraße« wurde jetzt zurückgebaut, weil winterliche Sturmfluten das Baumaterial unkontrolliert im Nationalpark verteilt hätten. Die Arbeiten am Deich werden in den kommenden zwei Jahren fortgesetzt, teilte der NLWKN mit. Für den Baustart im nächsten Frühjahr liegen schon Schüttsteine und Klei nahe der Baustelle bereit.

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TEXT: THEO KRUSE / FOTO: EVELYN GENUIT

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DER TORTENKÜNSTLER

Er geht stramm auf die Fünfzig zu. Eddy Roberg kennt Wangerooge erst seit eineinhalb Jahren. »Da will ich so schnell nicht wieder weg«, sagt der Westfale, der in Everswinkel geboren ist, wo sein Vater eine Molkerei besaß. Mit seinem alten Job war der Konditormeister nicht so glücklich. »Das war mir zu stressig in Altenberge, das war kein Leben mehr.« Beim Arbeitsamt gab’s einige Stellenangebote. Beim Cafe Pudding hat er sofort angebissen. Roberg lächelt: »Es ging alles ganz schnell. Und im März 2015 habe ich diesen wundervollen Job angetreten. Seitdem geht es mir auch gesundheitlich viel besser, die Seeluft tut mir gut.« Auch Diana Folkerts, Chefin vom Kuchenladen, lobt den großen, stämmigen Mann: »Wir sind sehr froh, dass wir mit Eddy Roberg einen geeigneten Nachfolger für unseren Ex-Konditor gefunden haben.«

2016-12-26_164627Während Bäcker Arnold Boes bereits um halb Zwei aufstehen muss und für Brötchen, Kleingebäck und die leckeren Wattwürmer zuständig ist, geht Eddy erst später »so zwischen vier und fünf« an seine Arbeit. »Da kommen wir uns nicht ins Gehege.« Für Cafe Pudding und Kuchenladen fabriziert er maximal 30 verschiedene Torten pro Tag. Bleibt denn da noch Zeit für ihre Hobbies? Während Arnold Boes ein eingefleischter Fußballfan ist und gerne liest, hat sich Eddy Roberg der Musik verschrieben. »Früher habe ich in namhaften Chören gesungen. « Der richtige Mann für den Wangerooger Gospelchor Vocal Waves? Der sucht nämlich noch einen stimmgewaltigen Tenor … TEXT: MANFRED OSENBERG FOTOS: EVELYN GENUIT Zitronencreme

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DAS GOLD DES MEERES

Die Nordseekrabbe ist ein wunderliches Tier – und zurzeit auch ein besonders teures. Wie kann es sein, dass das Fleisch von winzigen Garnelen teurer ist als Rinderfilet? Einigen Gastwirten auf Wangerooge sind die Krabben zu teuer, haben die »Delikatessen« von der Speisekarte gestrichen, aber im Strandläufer, im Pudding und im Friesenjung zum Beispiel gehören sie zum Angebot wie frischer Fisch.

Sagen wir es ruhig ganz offen: Im Prinzip ist die Krabbe ein armes Schwein. Sie ist nicht hübsch. Sie wird nicht alt. Sie steht in der Nahrungskette ziemlich weit unten. Sie lebt anspruchslos, aber keiner dankt es ihr. Früher nannte man sie Unkraut der Meere. Nicht totzukriegen. Dachte man jedenfalls. Die Krabbe selbst denkt, soweit wir wissen, eher wenig. Ihre Tage und Nächte verbringt sie mit Fressen und Fortpflanzung. Wenn man sie denn lässt. Aber man lässt sie ja nicht. Andauernd will einer was. Entweder der hinterhältige Wittling, ein gefräßiger Dorsch, oder der mitunter ebenso hinterhältige und gefräßige Mensch. Letzterer kündigt sich wenigstens mit einem gewissen Gerumpel an. Kommt mit dem Kutter ins Wattenmeer und zieht seine Netze dicht über den Meeresboden. Himmelherrgott noch mal, denkt die Krabbe (sofern sie denken kann und gläubig ist), kann man nicht mal ein Jahr lang seine Ruhe haben?

Dann hüpft die Krabbe ein Stückchen hoch, was wirklich kein Zeichen großer Schlauheit ist, und wird gefangen. Schon bald geht es ans Sterben. Ist die Krabbe einmal an Bord des Kutters von Uwe Abken, endet ihr viel zu kurzes Leben binnen Sekunden. Ein Bad in kochendem Wasser, Hitzeschock, Exitus, was an der Krabbe je gerade war, krümmt sich nun. Das vormals graue Tier wird rosa, dann geht es mit dem Kutter an Land und wenig später sogar nach Marokko – als Pauschalreise im Kühltransport. Kopf ab, Panzer ab, Darm weg. Und wieder retour nach Hause. Wenn die Krabbe post mortem ein Riesenglück hat, findet sie nah der Heimat ihre letzte Ruhe: in einem himmlisch frischen Brötchen mit lecker Remoulade für sechs Euro.

Die meisten Krabben allerdings verbringen ihre allerletzten Stunden im Zwischenreich von Himmel und Hölle – im Kühlregal des Discounters: Der verlangt für 100 Gramm Krabbenfleisch, konserviert in Benzoesäure, zurzeit 4,79 Euro. Warum ist die Krabbe so unglaublich teuer? Wie kann es sein, dass ihr Fleisch dieser Tage mehr kostet als ein Rinderfilet? In Oldenburg sitzen Fachleute in einem nüchternen Besprechungsraum der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und versuchen, diese ganz besondere Beziehung zwischen Mensch und Krabbe zu erklären. »Bei Krabben irgendwas vorherzusagen ist heikel«, sagt Philipp Oberdörffer, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer. »Sobald man glaubt, irgendwas zu wissen, wird man widerlegt.«

Der Herr neben ihm nickt bedächtig. Kapitän und Verbandsfunktionär Günter Klever sieht aus, wie man sich einen alten Seebären vorstellt: Bart, Bauch, Tätowierung. »Man weiß bei der Krabbe nie, woran man ist«, sagt Klever, »mal ist sie weg, und plötzlich ist sie wieder da.« Uwe Abken erweist dem komplizierten Kleintier seinen Respekt, seit 29 Jahren. Auch an diesem Morgen ist der Krabbenfischer um 3.30 Uhr aufgestanden und gemeinsam mit seinem Helfer Thilo von Esens nach Neuharlingersiel gefahren. Dort liegt sein blauer Kutter, die »Polaris«, mit der er bei Langeoog nach Beute sucht. »Der Jagdinstinkt lässt einen nie mehr los«, sagt Abken. Sieben Mal wird er in den nächsten Stunden die für Krabbenkutter charakteristischen Netze, Baumkurren genannt, ins Wasser lassen, und sie mit drei Knoten über den flachen, sandigen Boden des Wattenmeeres ziehen. Uwe Abken hat erlebt, wie aus der Massenware Nordseegarnele eine Delikatesse wurde. Und ein Millionenmarkt, der heute fest in niederländischer und deutscher Hand ist.

Von den bis zu 35.000 Tonnen, die in Europa pro Jahr mit etwa 500 Schiffen gefangen werden, schaffen die Niederländer etwa 15.000 bis 16.000 Tonnen aus dem Meer. Deutschland folgt mit 11.000 bis 13.000 Tonnen vor Dänemark. Einem Fischer bleiben nach Abzug aller Kosten pro Monat 2.500 bis 3.000 Euro zum Leben. Die Jagd nach den Minigarnelen ist also kein ganz schlechtes Geschäft – jedenfalls wenn es genug von ihnen gibt. Gerade gibt es nur wenige. Falsche Jahreszeit. Die meisten Krabben gehen im Spätherbst ins Netz, aber wie viele es in diesem Spätherbst sein werden, ist noch nicht abzusehen. Und genauso volatil wie die Fangmengen sind die Preise. Uwe Abkens Genossenschaftskollege Dirk Sander erinnert sich: »In den 50er Jahren wurden die Krabben tonnenweise zu Hühnerfutter verarbeitet, weil man die Massen weder lagern noch verarbeiten konnte.« Damals durften die Krabben auch noch von deutschen Heimarbeiterinnen gepult werden. Sie (die Krabben) dufteten nach Meer und Wind und Salz und Wellen, nach harter, ursprünglicher Arbeit, nach der Verheißung einer Mahlzeit mit Schwarzbrot, Rührei und Bratkartoffeln.

Die Frauen nahmen Tier für Tier in die Hand, bogen es gerade, drehten mit einer kurzen Bewegung den Schwanz am dritten Wirbel des Rückenpanzers und trennten den Darm vom Rest. Dann noch eine schnelle Bewegung weiter vorn, Kopf weg, Gekröse weg, und sie hielten ein Stummelchen Fleisch in der Hand. Hellrosa und köstlich. Dann kam Europa, kamen Vorschriften. Frauen, die unreguliert mit Därmen hantierten, waren Hygienefachleuten suspekt. So durfte nur noch in voll gekachelten Räumen gepult werden, in Schutzkleidung und mit viel Wasser drum herum. Das machte die Arbeit unrentabel. Es schlug die Stunde der Niederländer. Zwei Firmen entdeckten eine Marktlücke: Sie fuhren mit Lastwagen die deutsche Nordseeküste ab und boten den Fischern etwas an, das zunächst wunderbar klang: Wir holen eure Krabben ab, wir kümmern uns ums Pulen und auch um die Vermarktung. Ihr bekommt das Geld. Bequem, so ein Rundum-sorglos-Paket. Bedankt! So wurden zwei niederländische Unternehmen zu den großen Playern der Krabbenindustrie: Heiploeg und – keine Witze mit Namen, bitte! – Puul. »Das hat der Holländer schon gut gemacht damals« , sagt Dirk Sander von der Erzeugergemeinschaft. »Wir haben das Geschäft nicht gesehen. Hätten wir sonst selbst gemacht.«

Uwe Abken steuert seinen Kutter behutsam an die Hafenmole von Neuharlingersiel. Zehn Stunden war er draußen. Der Wind hatte zuletzt mit sieben Windstärken geblasen, kein Spaß, nicht mal im relativ flachen Wattenmeer. Mit einem einfachen Kran entlädt Abken den Kühlraum seines Kutters: elf weiße Kunststoffkisten sind bis zum Rand mit frischer Ware gefüllt – 170 Kilo insgesamt. »Für die Jahreszeit nicht schlecht« , sagt Abken. Dann verkauft er direkt vom Kutter ein paar Kilo an Touristen, der Rest wird mit dem Lkw zur Genossenschaft gefahren. Seit die Krabbenfischer sich organisiert haben und den Fang gemeinsam vorsortieren, erzielen sie bei den Niederländern bessere Preise. Früher war es so: Wunderten sich die Ostfriesen über niedrige Preise, sagten die Großhändler: Die in Schleswig-Holstein fangen gerade so viel! Wunderten sich die Nordfriesen, sagten die Großhändler: Die Ostfriesen fangen gerade so viel. Nun haben die Fischer mehr Kontrolle. Nach wenigen Kilometern hat der Lastwagen mit Uwe Abkens Fang die Sortieranlage der Genossenschaft in Neuharlingersiel erreicht. Ein Arbeiter entleert die Kisten in einen großen Trichter. Ein Förderband transportiert die Krabben auf eine Straße aus sich bewegenden Sieben. Krabben für den menschlichen Konsum dürfen nicht kleiner sein als 6,5 Millimeter Panzerbreite. Zu mickrige Tiere fallen in einen großen Bottich und enden als Fischmehl.

Tiere zwischen 6,8 Millimeter und 8,5 Millimeter werden mit einer Salzlösung besprüht und in unterschiedliche Größenklassen eingeteilt. Nur die dicksten landen später ungepult in der Gastronomie. Die allermeisten aber werden jetzt nach Marokko geschickt. Die Logistik funktioniert perfekt: Ein Kühllaster mit ungepulter Ware fährt mehr als 2.500 Kilometer über Holland durch Frankreich und Spanien bis Gibraltar. Dort trifft zeitgleich ein Sattelzug mit gepulter Ware aus Marokko ein. Die Fahrer tauschen die Aufleger und fahren in ihre Heimatländer zurück. So hat fast jede in Deutschland gefangene Krabbe eine Autobahnfahrt von mehr als 5.000 Kilometern hinter sich, bevor sie in den Handel kommt. Dort aber bezahlen Verbraucher trotz günstiger marokkanischer Arbeitskräfte zurzeit besagte Höchstpreise. Das liegt nicht nur daran, dass es im Sommer stets weniger Krabben gibt als später im Jahr. Es ist eine längere Geschichte, deren Anfänge zurückreichen bis in den Herbst 2014. Damals hatten die Krabbenfischer eine exorbitant gute Zeit, allein die Niederländer fingen fast 20.000 Tonnen. Die Lagerbestände waren riesig, der Handel senkte die Preise und kurbelte die Nachfrage an. Wenig später sagte sich die launische Krabbe: Ich ziehe mich mal zurück. Das Frühjahr 2015: schlecht. Der Herbst 2015: mäßig. Das Frühjahr 2016: mau. Die einmal angekurbelte Nachfrage blieb hoch, das Angebot konnte nicht mithalten. Der Preis schoss in die Höhe. In den vergangenen Wochen bekamen die Fischer pro Kilo Krabben bis zu zwölf Euro vom Großhändler – ein historischer Höchststand. Um ein Kilo reines Fleisch zu erzeugen, braucht man aber drei Kilo Krabben. Macht 36 Euro pro Kilo Fleisch. Die ersten Verarbeitungsschritte, wiegen, sieben und konservieren, kosten einen Euro pro Kilo, das Schälen und der Transport weitere sechs bis acht Euro.

kartoffeln-krabben»Eigentlich müsste das Kilo Krabbenfleisch im Handel rund 60 Euro kosten«, rechnet Experte Philipp Oberdörffer vor. Zu teuer für die großen Discounter. Sie subventionieren die Krabben, um die Kunden nicht zu vergraulen. Den Verlust dürften sich die großen Ketten dann im Herbst wieder zurückholen, wenn die Einkaufspreise niedriger sind. Ehe das Mitleid zu groß wird: Ein Teil der Misere ist hausgemacht. Die Krabbe gehört zu den wenigen Meerestieren, die unbegrenzt gefangen werden dürfen. Und in den vergangenen Jahren sind die Krabbenfischer etwas zu sorglos mit den Beständen umgegangen. Wissenschaftler sehen eindeutige Anzeichen für eine Wachstumsüberfischung. Das heißt: Zu viele Garnelen werden gefangen, bevor sie eine optimale Größe erreicht haben. Die Maße der gefischten Krabben sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich kleiner geworden. Inzwischen haben die Fischer begonnen, die Maschenweiten ihrer Netze zu vergrößern, damit mehr Jungtiere entkommen können. Früher betrug die Maschenweite 20 Millimeter, jetzt sind es 22. »Optimal wären 26 Millimeter, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg«, sagt Wissenschaftler Gerd Kraus vom Hamburger Thünen-Institut für Seefischerei. Immerhin, auch auf Druck der großen Handelsketten wollen sich europaweit gerade 400 Kutter für das Fischsiegel MSC zertifizieren lassen. Wie nachhaltig die Krabbenfängerei derzeit ist, wird noch geprüft. Uwe Abken jedenfalls wird bald wieder in aller Herrgottsfrühe den Dieselmotor seiner »Polaris« anwerfen und raus aufs Wattenmeer fahren. In sechs Jahren ist er 60, einen Nachfolger hat er noch nicht. Eilt auch nicht. »Ich lebe als Krabbenfischer nach Lust und Laune. Das macht den Beruf ja so schön.« Sieht die Nordseegarnele vermutlich anders. Falls sie überhaupt etwas sieht. TEXT: TOBIAS SCHMITZ Dieser Artikel erschien zuerst am 4. August 2016 in der Ausgabe 32/2016 im Magazin »stern«, Verlag Gruner + Jahr gmbH »

Kartoffel mit Krabben im Friesenjung. FOTO: MANFRED OSENBERG

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GUTE VERBINDUNG

Wunderschönes Wangerooge. An diesem heißen Sommertag steht die Luft schwül und drückend im windgeschützten Heidegebiet westlich des Inseldorfes. Die blühende Besenheide taucht die Dünen in zartes Purpur, Insekten summen, an den Kleingewässern hört man immer wieder ein leises Plantschen, wenn die Schwalben auf Beutezug kurz ins Wasser eintauchen. Nur wenige Wanderer sind unterwegs. Doch unvermittelt stößt man auf kleine Gruppen junger Menschen, die schwer arbeiten und schwitzen, aber offenbar Spaß dabei haben, viel lachen und sich in verschiedensten Sprachen unterhalten. Mit Spaten, Hacken und Astscheren rücken sie gezielt der Kartoffelrose und der Spätblühenden Traubenkirsche zu Leibe. Diese beiden Gehölzarten kommen von Natur aus auf der Insel nicht vor, wurden vor vielen Jahren vom Menschen eingeschleppt und haben beide die Eigenschaft, sich invasiv auszubreiten und alles zu überwuchern.

Nicht nur die Heide, auch andere kleine, lichtliebende, gefährdete und deshalb geschützte Pflanzenarten haben so keine Chance mehr. Da hilft nur eines: den so genannten Neophyten entschlossen entgegentreten. Anfangs standen einige Insulaner den Maßnahmen skeptisch gegenüber. Sie hatten sich über die Jahre an die Kartoffelrose gewöhnt und die schleichende Bedrohung der geliebten Heide war vielen nicht bewusst. Zum Auftakt der langjährig angelegten Renaturierungsmaßnahme, im Winter 2010, ließ die Nationalparkverwaltung dann auch noch Bagger anrollen, um erst einmal großräumig Luft zu schaffen und die Rohbodenverhältnisse wieder herzustellen, die die Pionierpflanzen der Heidegesellschaft zwingend benötigen. Bagger im Schutzgebiet – das konnten viele nicht nachvollziehen. Doch dieser einmalige »brachiale« Eingriff war nur die notwendige Initialzündung für die weitere Pflege und Entwicklung. Schon nach wenigen Monaten war zu erkennen, wie die Heidepflanzen das Areal dankbar annahmen. Im Sommer 2010 kam die erste Gruppe von Freiwilligen der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) nach Wangerooge, um in behutsamer Handarbeit den Neuaufwuchs von Kartoffelrose und Traubenkirsche zu entfernen.

Seitdem – nun zum 7. Mal in Folge – gehört die engagierte multikulturelle Einsatztruppe zum hochsommerlichen Bild im Heidegebiet und die fleißigen jungen Leute sind gern gesehene aktive Gäste. Die Inselgärtnerei unter Leitung von Rolf Kretzberg unterstützt die Gruppe bei Abtransport und Entsorgung des Strauchguts. Bürgermeister Dirk Lindner hat die frisch eingetroffene Gruppe persönlich begrüßt. Die »Küstenheide«-Camps werden in bewährter Kooperation zwischen Nationalparkverwaltung, ijgd und dem Mellumrat organisiert. Norbert Hecker, Botaniker bei der Schutzgebietsverwaltung, ist für das fachliche Konzept zuständig, kümmert sich aber auch um Unterkunft, Werkzeuge und anderes, was die Freiwilligen benötigen. Mathias Heckroth und weitere Mitarbeiter des Mellumrates sind als orts- und sachkundige Betreuer beim Einsatz mit der Gruppe im Gelände. Hilke Steevens, Projektreferentin für Internationale Workcamps beim ijgd- Landesverein Niedersachsen e. V. (Hildesheim), kümmert sich um »Rekrutierung« der Freiwilligen und Finanzen.

»Unser besonderer Dank geht an die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung und die Naturschutzstiftung Friesland-Wittmund- Wilhelmshaven, die auch in diesem Jahr dieses erfolgreiche Projekt gefördert haben«, sind Norbert Hecker und Hilke Steevens sich einig. »Ohne diese großzügige finanzielle Unterstützung könnten wir das Camp nicht realisieren«. Die Work-Camps werden von den ijgd international ausgeschrieben – das Wangerooger Camp ist immer schnell ausgebucht. In diesem Jahr sind es 16 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 22 Jahren, zwei davon als Teamleiterinnen. Die weiteste Anreise haben Yu-Hsuan (Taiwan) und Jinhee (Südkorea) auf sich genommen. Camila und Alejandra kommen aus Argentinien bzw. Peru; sie verbringen beide ein Austauschjahr in Deutschland.

2016-12-26_163212Anna und Anastasija sind extra aus Russland angereist, Verner aus Estland, Nuria und Dario aus Spanien, Paulo und George aus Italien, Florian aus Österreich. Aus Deutschland kommen die beiden Freundinnen Alexa und Johanna sowie Teamleiterin Rebecca, die sich die Verantwortung mit Malene aus Dänemark teilt. Die Motive für die Entscheidung, in den Ferien zu »schuften« statt zu faulenzen, sind vielfältig. Keiner der diesjährigen Teilnehmer, sie sind alle Schüler oder Studierende, plant einen beruflichen Werdegang im Naturschutz, aber alle verbindet der Wunsch, aktiv etwas für den Erhalt der Natur zu tun. Weitere Beweggründe sind, Gleichaltrige aus anderen Ländern und deren Kultur kennenzulernen oder eigene Sprachkenntnisse – Deutsch oder Englisch – zu verbessern.

Eine Teilnehmerin wurde durch ihre Mutter motiviert, die selbst früher bei ijgd-Camps dabei war. »Zurück in den Heimatländern, sind diese jungen Freiwilligen internationale Botschafter für das Weltnaturerbe Wattenmeer «, ist Imke Zwoch überzeugt, die das Freiwilligenprogramm im Nationalpark koordiniert. Ein gern gesehener Nebeneffekt der Gruppeneinsätze. Doch die Hauptsache ist: Über die Jahre lässt sich eine erfreuliche Entwicklung der Heidepflanzen und anderer botanischer Kostbarkeiten feststellen, die vom Druck der invasiven Gehölze befreit wurden. Diese muss man langfristig weiterhin im Auge behalten, sie werden immer wieder versuchen, sich durchzusetzen. Aktuell waren Norbert Hecker und seine Mitstreiter positiv überrascht, dass auf einzelnen Teilflächen des Projektgebietes kein einziger Trieb der Neophyten zu finden war: »Die Freiwilligen haben in den letzten Jahren fantastische Arbeit geleistet.«

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WATT IS DATT IM WATT?

Deichbau auf Wangerooge ist besonders aufwändig und teuer. Aber die Sicherheit hat erste Priorität.
Auf allen Wangerooger Baustellen herrscht in der Hauptsaison Betriebsruhe, damit sich die Urlauber nicht durch Baulärm gestört fühlen. Auf allen Baustellen? Nein – am Dorfgrodendeich wird gerade während des Sommers rund um die Uhr gearbeitet. Und das aus gutem Grund: Wenn die Herbst- und Wintersturmfluten das Eiland bedrohen, darf nicht mehr gearbeitet werden. Deshalb wird diese Ausnahme erlaubt, ist sogar dringend geboten. Ziel ist es, die Baustelle rechtzeitig zur unwirtlichen Jahreszeit winterfest zu bekommen. Für einige Wohnungsinhaber der Ferienwohnanlage »Lagune am Wattenmeer« bedeutet der Deichbau ein Ende des gewohnten freien Blickes aufs Wattenmeer und zum Anleger: In den Erdgeschosswohnungen ist es kaum möglich, über den erhöhten Deich zu schauen. »Aber Küstenschutz hat nun einmal oberste Priorität«, sagt ein Zweitwohnungsinhaber. Das sehen zum Glück auch die meisten Gäste so. Und wer den unverbauten Blick genießen will, mietet eine der oberen Wohnungen oder setzt sich ganz einfach auf dem Deich. Dramatische Rückgänge bei den Vermietungen wurden jedenfalls bisher nicht bekannt.

Der Transport des für die Deicherhöhung benötigtem Kleis ist eine besondere, logistische Herausforderung. Davon können sich Beobachter überzeugen, wenn sie die Bauarbeiten einmal einige Tage aufmerksam verfolgen. Bei Hochwasser steuert das niederländische Spezialschiff »Diablo« mit einer Ladung von rund 300 Kubikmetern Klei vom Hafen Harlesiel aus den nördlichen Rand des Wattfahrwassers Telegraphenbalje südlich von Wangerooge an. Dort lässt es sich bei Ebbe trockenfallen. Über eine mit gelben Stangen gekennzeichnete »Straße« fahren dann während des Niedrigwassers die Kleitransporter, geländegängige Lastwagen, auf die das Deichbaumaterial umgeschlagen werden muss und transportierten es zur Baustelle auf der Insel. Mit Baggern wird der fette Klei verteilt, mit Hilfe schwerer Raupenfahrzeuge planiert und dabei verdichtet. Der neue Deich – der einen Sandkern aufweist – erhält eine Kleiabdeckung von 1,50 Meter Stärke auf der Seeseite und einem Meter auf der Binnenseite. Der alte Deich wies eine viel zu dünne Kleischicht auf und war außerdem zu niedrig, erläuterte Frank Thorenz, Leiter der Betriebsstelle Norden des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Für Projektleiter Theo van Hoorn ist denn auch der Kleitransport eine große logistische Herausforderung. Alle Transportwege
müssen genau abgestimmt sein. Der Klei wird aus Wittmund nach Harlesiel gefahren. In Wittmund wird derzeit ein  Entlastungspolder gebaut, bei dessen Bau dieses Erdreich anfällt. Auf diesem Wege kommt der NLWKN als Auftraggeber relativ kostengünstig an das wertvolle Deichbaumaterial. 40.000 Kubikmeter werden für die rund 1,3 Kilometer lange Baustrecke vom Inselbahn-Deichschart bis zum Ende des Dorfgrodendeiches Höhe Richthofenstraße (Reithalle) benötigt.
Das sind mehr als 130 Schiffsladungen! Wenn man bedenkt, dass Wind und Wetter den Transportplan durcheinander wirbeln, wird deutlich, wie ehrgeizig der Zeitplan der Deichbauer ist. Mehrmals erschwerten erhöhte Wasserstände oder leichte Windfluten die Arbeiten. Überhaupt bestimmt der Tidekalender/ die Arbeitszeiten der Deicharbeiter, denn frischer Klei kommt jeden Tag zu einer anderen Tageszeit: Im Takt von Ebbe und Flut.

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TEXT: THEO KRUSE / FOTO: EVELYN GENUIT

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NEUER FAHRER FÜR PETRUS

Wenn der Heuler heult, weil er seine Familie verloren hat, helfen Gäste und Insulaner. Jeder kennt auf Wangerooge Friedrich Petrus, der seit mehr als 30 Jahren dafür sorgt, dass diese armen Geschöpfe ins Leben und zurück zur Natur geführt werden können.
Nachdem das Seehundrettungsteam,alarmiert durch aufmerksame Spaziergänger, das kleine vereinsamte, orientierungslose
Raubtier geborgen und in eine spezielle Transportkiste verstaut hat, bringt es der Flieger der FLN ans Festland. Dort wird es von Mitarbeitern der Aufzuchtstation in Norden abgeholt und in Sicherheit gebracht. Seit diesem Sommer wird das Team um
Friedrich Petrus unterstützt von Helge Biethahn, der als Fahrer des Rettungsfahrzeugs und als Bergungshilfe seinen Anteil hat. Wie dieser berichtet, ist es manchmal gar nicht so einfach, wenn mitten in der Badezeit das Fahrzeug durch spielende
Kinder und badende Gäste zum Fundort gelangen muss. Das größte Problem ist dabei, dass sich das Fahrzeug leicht in dem tiefen Sand festfahren kann.

So kommt es leider vor, dass nicht alle Verständnis für die Sorge um den zu rettenden Heuler zu Lasten »ihres« Spielraums am Strand haben. Allerdings sind das Einzelfälle, meist kommt Unterstützung von den Gästen. Die letzte Rettung am  Hauptstrand war Anfang September nur dadurch möglich, dass Mitarbeiter der DLRG und Gäste die Durchfahrt des Mobils und die Bergung des jungen Heulers unterstützten. Der Dank gilt all denen, die tatkräftig mit dazu beitragen, dass die vereinsamten Heuler nicht »verenden« müssen. Wer die ehrenamtliche Arbeit der Auffangstation und ihrer Helfer begleiten möchte, kann dies als Spende auf das Konto unterstützen:

Seehundstation Nationalpark-Haus
IBAN: DE62 2836 1592 0007 7771 11
BIC: GENODEF1MAR
http://www.seehundstation-norddeich.de
FOTOS: RENATE ZERHUSEN

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WER WIRD MISS WANGEROOGE?

Letzter Mittwoch im Juli 2016. Mit dem Flieger kommt die MOIN auf die Insel. Und am Abend wird wieder die Miss Wangerooge gekürt. Wer wird es diesmal sein, die auf dem Laufsteg vor dem »Pudding« von den vielen Besuchern gefeiert wird?

ie Jury wird entscheiden, wer in diesem Sommer die Krone erhalten wird. In der Jury sitzt die amtierende Miss Germany Lena Bröder, die noch kürzlich – als erste Miss Germany überhaupt – eine Audienz beim Papst in Rom bekam. »Es war überwältigend«, betonte die katholische Releigionslehrerin. Papstbesuch, Fernsehshows, Talkrunden. Jetzt Wangerooge. Horst Klemmer macht es möglich. Der Oldenburger, der in der Tangastraße seit Jahrzehnten sein Büro hat und auf Wangerooge direkt am Meer in seiner Ferienwohnung die Kontakte zu prominenten Leuten aus dem Showgeschäft spielen lässt, kennt sich aus auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Die MOIN traf den Tausendsassa, der im Dezember seinen 80. Geburtstag feiern wird, auf der Wangerooger Strandpromenade und fragte ihn: Was ist eigentlich Schönheit? »Sicherlich gibt es auf der Welt keinen Menschen, der von sich aus behaupten kann, er findet zu 100 Prozent die schönste Frau der Welt. Schönheit ist Ansichtssache – der eine mag blonde, der andere schwarze Haare, der eine blaue, der nächste braune Augen, der eine 1,75 m und der andere 1,60 m große Frauen. So kann jeder von sich selbst aus beurteilen, was er schön findet.«

Hübsche Menschen haben im Alltag – so sagen Experten – wesentliche Vorteile. Studien belegen, dass schöne Menschen im Leben tatsächlich davon profitieren. Wichtig ist, dass man sich in seinem Körper wohl fühlt, positiv denkt und zufrieden ist. So werden die sicherlich vorhandenen Stresshormone abgebaut. Schöne Menschen profitieren von positiven Vorurteilen. Sie werden für kompetenter, erfolgreicher, intelligenter, sympathischer, selbstsicherer, geselliger, fleißi ger und leidenschaftlicher gehalten. Die Psychologin Rita Friedmann von der amerikanischen Attraktivitätsforschung kommt zu dem Schluss, dass sich der »Zauber der Schönheit« durch das ganze Leben zieht: vom Kindergarten über die Schule bis hin zum Berufsleben.

Interessant ist ein durchgeführter Vergleich der VIP-Gesichter für die Werbung. So gelang es zum Beispiel der blonden Miss Germany Isabell Gülck, die vor vier Jahren auf Wangerooge nicht nur den Männern am Meer den Kopf verdrehte, bei einer Großumfrage auf einem sensationellen vierten Platz zu landen, knapp hinter Jette Joop, Nazan Eckes und Heidi Klum. Die sympathische Isabell platzierte sich somit vor Michelle Hunziker, Birgit Schrowange, Nicole Kidman und Carla Bruni. Klemmer dazu: »Die Siegerinnen von GNTM waren hier nicht im Ranking. Das bedeutet, dass die Marke »Miss Germany« anerkannt und von der Wirtschaft hoch eingestuft wird. Vor allem bei Mode und Kosmetik.« Nicht verwunderlich, dass attraktive Personen von ihrer Schönheit profitieren. Ein wichtiger Punkt auf der Bühne ist u.a. die Körpersprache.

Choreograph Jens Dolecki sagt immer: »Spannung in den Körper, dann kommt man über die Rampe«. Horst Klemmer zum Wahlvorgang bei einer Miss-Wahl: »Wir schreiben unserer Jury nicht vor, wie zu wählen ist, sondern überlassen diese Entscheidung jedem Jurymitglied selbst. Die Damen haben die Gelegenheit, mit Witz, Charme und Schlagfertigkeit zu punkten und sich dem Publikum stilvoll in Mode zu präsentieren.«

PERSÖNLICHKEIT

Wichtig ist, dass die Persönlichkeit herausgestellt wird und ein sicheres Auftreten zu erkennen ist. Sicherlich gilt die These: »Lange Beine machen noch keine Miss aus«. Eine Miss Germany hat aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads (98,7% der Deutschen kennen die Marke »Miss Germany«) eine Vorbildfunktion. Klemmer betont, dass es sich lohnt, Miss Germany oder Mister Germany zu werden und bei der in Oldenburg sitzenden Miss Germany Corporation mitzumachen. »Wir werden auch weiterhin gerne »Steigbügelhalter« für den Einstieg ins Showbusiness für junge Menschen sein. Unsere Damen streben meistens eine Karriere als Moderatorin, Schauspielerin oder Werbeträgerin an. Anne Julia Hagen, die als Miss Germany 2010 nach Wangerooge kam, war ein sehr gefragtes Model. Sie wurde u.a. für Zalando, Pril, Elite Partners oder Kanada Airline gebucht. Anne-Kathrin Kosch, Miss Germany 2011 und auf Wangerooge von vielen Fans umlagert, wurde Moderatorin bei pearl.tv. Miss Germany 2012 Isabel Gülck strebte eine Karriere als Sängerin und Moderatorin an. Klemmer: »Wir unterstützen alle beim Auf- und Ausbau ihrer Karriere.« Ja, jeder Mensch braucht Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Man möchte sich aus der Masse hervorheben und etwas Besonderes sein. Dies ist sicherlich eine Devise, nach der viele junge Menschen – besonders die Damen – streben.

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TEXT: MAO / FOTOS: KURT KEIL UND KLAUS SCHULTES

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WIEDENESTER IM WANGEROOGE-FIEBER

Sie sind seit Jahren mit dem unheilbaren »Wangerooge-Fieber« infiziert. Zum 15. Mal fand in diesem Sommer die Wiedenester Inselfreizeit statt. Rund 100 Kinder, Jugendliche und Teamer aus dem Oberbergischen Kreis genossen das für sie schönste Fleckchen Sand im Nationalpark Wattenmeer.

rfreulich: Die Evangelische Kirchengemeinde Wiedenest bietet die alljährliche »Sommerfrische« für Teilnehmer von 8 bis 18 Jahren seit 2001 im Bielefelder Haus an. Lässt man all die Jahre mal Revue passieren, dann bedeutet das in Zahlen: 1500 Ferien gäste aus dem Oberbergischen, über 3000 Koffer, Rucksäcke und Kuscheltiere, 1500 Mal Bettenbeziehen, 22.500 Verpflegungstage für das Bielefelder Haus, gut 60.000 € Taschengeld, was auf der Insel ausgegeben wird usw. Aber auch rund 450 Spiel- und Aktionsprogramme für Nachmittage und Abende, mal nur für die kleineren, mal extra für die größeren und auch mal für die gesamte Gruppe geplant und durchgeführt. 15 Jahre Inselfreizeit bedeuten bei dieser Gruppe auch, dass sie mehr als 200 Vormittage in der Nikolai Kirche der Ev. Kirchengemeinde Wangerooge verbracht haben. Dort wird gemeinsam gesungen und nachgedacht, die Bibel in Geschichten und Gedanken hinterfragt und ein buntes Programm zum Erleben und Weiterdenken nicht nur für Freizeitteilnehmer angeboten. Die Kirche steht offen, und immer mal wieder kommen auch Urlauber hinzu, um diese Gemeinschaft mitzuerleben oder einfach nur zu genießen. Der sonntägliche Gottesdienst in der Mitte der Freizeit wird gemeinsam mit Inselpfarrer Günther Raschen als großer Urlauber-Insulaner-Freizeit-Familiengottesdienst gefeiert. Wangerooge ist der ideale Ort für Spiel und Spaß quer über die ganze Insel, für Sport am Strand, für Toben in den Wellen, für Erholung im Wind, für Zeit miteinander und füreinander. Und dass diese »legale Droge« süchtig macht, damit wollen und können die Wiedenester gut leben und freuen sich schon auf das, was die nächsten 15 Jahre bringen werden … INKE ARMBRÖSTER

Wiedenester

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MARIA UND DIE VILLA KUNTERBUNT

Sie gehört zu den Insel-Frauen, die aus dem richtigen Holz geschnitzt und in verschiedenen »Rollen« erfolgreich sind. Maria Jonas hat schon in »ihrer« wunderschönen Villa Kunterbunt einiges bewegt und singt mit Begeisterung im Wangerooger Gospelchor »Vocal Waves«.

ur schade«, gibt Maria Jonas offen zu, »dass ich keine Zeit mehr habe, mit meinen Freundinnen der Wangoo Diptams für Wangerooge zu trommeln.« Stimmt! Bis vor zwei Jahren war sie noch immer dabei, wenn am Donnerstag im Proberaum an der Strandpromenade geübt und an anderen Tagen öffentlich getrommelt wurde. Doch aus beruflichen Gründen hat sie die Wangoo Diptams verlassen müssen. Der geliebte Beruf hat Vorrang. Die Neugestaltung des Außengeländes der Villa Kunterbunt forderte die vielseitige Einrichtungsleiterin heraus. »Wir sind ständig dabei, Schritt für Schritt zu erneuern«, erklärte Maria Jonas.

Kürzlich wurde das schmucke Außengelände auf Wangerooge (gegenüber von Sport- und Golfplatz) mit einer großen Grillfete eingeweiht. Rund eine halbe Million Euro hat der Landesverband Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes investiert. Zur Einweihung reiste Landesgeschäftsführer Bernd Schmitz an. Statt mit dem Flieger kamen auch DRK-Präsident Dieter Holzapfel und Vizepräsidentin Meike Müller mit der Fähre auf die Insel. Der Nebel … Seit 2009 betreibt der DRK-Landesverband das Mutter-/Vater-Kind-Kurheim auf Wangerooge. Zunächst als Pächter der Kurverwaltung Wangerooge, im Sommer 2014 kaufte das DRK das Gebäude.

»Das war definitiv die richtige Entscheidung«, sagte Holzapfel. Seitdem sei der DRK-Landesverband stets bemüht, die Einrichtung zu modernisieren. So wurden im vergangenen Jahr der
Speisesaal erneuert und die Außenfassade saniert. Nun hat Landschaftsarchitekt Hajo Flemmig die Außenanlage neu gestaltet: Verändert wurde der äußere Eingangsbereich, in dem jetzt Bänke stehen, und der Spielbereich. »Wir haben einen abgetrennten Bereich für Kleinkinder eingerichtet«, berichtete Flemmig. Auch die Betonpiste, die zum Gebäude führt, und die Terrasse hinter dem Wintergarten wurden saniert. Maria Jonas ist froh darüber, dass die Einrichtung gut angenommen wird. Bis November ist die Villa Kunterbunt sehr gut ausgelastet. Allein 2015 waren 491 Mütter, 60 Väter und 947 Kinder dort zur Kur. »Wir werden die Zahlen sicher aufrunden – also auf 1000 Kinder«, scherzte der DRK-Präsident Holzapfel.

Villa-Kunterbunt

 

FOTOS: ANTJE POLLEX

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DER ORGELBAUER VON WANGEROOGE

Wolfgang Henseleit hat sich als »Herr der Orgelpfeifen« längst einen guten Namen auf seiner Insel gemacht. Doch Gustav Wissmann ist nicht so bekannt auf Wangerooge, obwohl es ohne den ehemaligen Inselschüler wahrscheinlich keine Orgel in dieser Form in der evangelischen NikolaiKirche geben würde. Die MOIN traf den bekannten Kirchenmusiker in den Wangerooger Dünen.

Wissmann-Orgel“Meine Zeit auf Wangerooge hat mich für mein ganzes Leben geprägt”, betont der in Celle beheimatete Gustav Wissmann, wenn er zurück schaut. Er denkt dabei vor allem an seinen beruflichen Werdegang als Musiklehrer und Kirchenmusiker. »Ich war Anfang der 60er Jahre als Schüler auf der Insel, um dort, das war damals noch möglich, mein Abitur zu machen«, erzählt der freundliche, ältere Herr. Weil der Chorleiter und Organist seinerzeit in Pension gegangen war, bat man mich, doch seine Nachfolge anzutreten. Ich hatte damals allerdings keine Orgel-Erfahrung und spielte lediglich Klavier.«

Wer schon mal ein Orgelkonzert besucht und gesehen hat, welche sportliche Leistung allein die Fußarbeit eines Organisten bedeutet, der kann ermessen, vor welcher Herausforderung der junge Gustav Wissmann damals stand. Wie der (glückliche) Zufall es wollte, wurde 1963 in der Kirche eine neue Orgel aufgebaut, und der Gymnasiast wurde eine Woche von der Schulleitung freigestellt, um mit den Experten das riesige Instrument aufzubauen. »Ich habe damals jede Pfeife in der Hand gehabt und kenne die Orgel besser als meine Wohnung«, meint Wissmann schmunzelnd und versichert: »Durch meine damalige Arbeit habe ich auch eine besonders emotionale Beziehung zu dieser Orgel. Und die hat mich auch bewogen, mich nach absolviertem Abitur bei der Ausbildung zum Musiklehrer speziell auf die Orgel zu konzentrieren und zu studieren.« Wissmanns Nachfolger war ausgerechnet sein ehemaliger Lehrer Wolfgang Henseleit, der vielseitig begabte Pädagoge, Chorleiter, Organist und brillante HobbyDichter, der diese Ämter zum Teil auch noch in der Gegenwart ausübt.

Germanistik war das zweite Studienfach in Hannover, wobei Wissmann danach in den ersten Jahren als Lehrer an einer Sonderschule gearbeitet hat und dort sämtliche Fächer unterrichten musste. »Sehr lehrreich, und eine Erfahrung, die auch heute noch vielen Lehrern gut täte«, so Wissmann, der im Laufe seiner beruflichen Laufbahn auch als wissenschaftlicher Assistent an der Pädagogischen Hochschule in Hannover seinerseits Musik-Lehrer ausbildete. 1978 dann die Anstellung als Musiklehrer am Gymnasium in Celle, während der Musik-Pädagoge als Organist auch Gottesdienste musikalisch begleitete, Konzerte gab und, so ist es im Internet zu lesen, auch bisweilen als Tenor wirkt. »Ich bin natürlich kein professioneller Sänger und nur selten Solist«. wiegelt der vielseitig begabte  Musiker ab. Die Beziehung zu Wangerooge ist nie abgerissen, und das hat nicht nur seinen Grund in seiner Orgel in Sankt Nikolai, sondern noch einen weiteren gravierenden: »Ich war 1962 auf der Insel, als die von der verheerenden Sturmflut heimgesucht worden war. Wir haben damals alle mit anpacken müssen, um mit Sandsäcken das Schlimmste zu verhindern. Genützt hat es nicht viel. Wir sind damals völlig abgesoffen. So etwas gemeinsam erlebt zu haben, schweißt fürs Leben zusammen«, ist Wissmanns prägende Erinnerung. Aber auch die Liebe zur Musik belebt die Liebe zur Insel alljährlich aufs Neue. »Bei Ehemaligen-Treffen bin ich regelmäßiger Gast und freue mich dann auch, wenn ich zusammen mit Wolfgang Henseleit musizieren kann und er mich dann auch mal an unsere Orgel lässt«, meint Wissmann lächelnd und lässt sich auch nicht lange bitten, wenn es um ein Konzert in St. Nikolai geht. Kürzlich war die Kirche trotz bestem Badewetter voll, und da waren auch Urlaubsgäste dabei, registriert der begeisterte Musiker  zufrieden. Privat lebt der vierfache Vater und vierfache Großvater nach dem Tod seiner Frau vor neun Jahren zusammen mit einer Tochter und den Enkeln in Celle in einem Drei-Generationenhaus. Eine wunderbare Erfahrung, zumal auch alle musizieren. Drei Mal im Jahr zieht es ihn nach Wangerooge, wo vor mehr als einem halben Jahrhundert die Weichen für sein berufliches Leben entscheidend gestellt wurden.

Henseleit-Orgel

 
TEXT: FRIEDEMANN BRÄUER FOTOS: EVELYN GENUIT, KURT KEIL UND ANNEMARIE HILLING

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